29. Oktober 2014

CD des Monats: MEGAHERZ - Zombieland

Es gilt, dem deutschen Tiefgesang- und Stumpfriff-Gewerbe Trost zu spenden. Denn eigentlich kann man in diesem Bereich nur alles falsch machen. Zu jeder Veröffentlichung werfen sich Millionen Kritiker Ärztekittel über, kramen die Kladde heraus und schütteln sachte, aber bestimmt mit einem unterdrückten Unbehagen den Kopf, weil wieder einmal alle Symptome für eine schlimme Krankheit zusammengekommen sind. Als Patient heute im Untersuchungszimmer: Megaherz.

Akuter Frischsoundmangel
"Fanatisch" klingt schwer nach Rammstein, "Roter Mond" erinnert mich an Paradise Lost zur "One Second"-Phase, "Gegen den Wind" hätten Wolfsheim anno dazumal nicht schöner heulen können und das Riff des Titelsongs habe ich auch schon irgendwo vernommen. Aber: Rammstein fackeln derzeit ja nur noch zuhause und privat, nach gegenwärtigem Stand wird auch 2015 nichts Frisches von den Berlinern kommen. Paradise Lost streifen wieder tief durchs keyboardlose Gothicgestrüpp und Wolfsheim sehen sich nur noch, falls mal wieder ein Gerichtstermin ansteht. Von daher: Besser gut inspiriert als schlecht selber eingetopft.
 
Schlimmer Verdacht auf Pop
Industrial, wie dieses Genre international heißt, braucht per Definition halt so Elektrogesummse drin.  Aber das DARF NICHT POPPIG SEIN! Dann ist es nämlich Synthie-Euro-Dance-Trash, da kann man nix mehr retten. Allseits bekritteltes Beispiel auf "Zombieland": "Himmelsstürmer". Der erste Song, den ich von Megaherz gehört habe und der mir nicht aus den Ohren gegangen ist. Eingängigkeit ist bekanntlich eine schwere Sünde im Kanon des kritischen Musikfachjournalismus, da muss sofort das Präfix "platt" vorangestellt werden, um zu warnen und zu mahnen. Doch ich sage euch: Ich spreche fürderhin das gesamte Album der Eingängigkeit schuldig und finde es nichtsdestotrotz sehr gut. So schräg bin ich drauf.

Morbus Graf
Oder auch Schlageritis genannt. Das ultimative Schimpfwort für den neuen deutschen Härtlingfreund. Können das etwa auch Kindergärtnerinnen, Hausfrauen, Beamte und Religionslehrer hören, ohne vor Abscheu zu quieken? Droht gar Atemlosigkeit die Nacht hindurch? Ordert sich Frau Nebel nach dem Listening einen feschen Lederrock und lädt freundlich zur nächsten Aufzeichnung ein? ("Aber lassen's bittschön die Gitarristen zuhause und ziehn's sich was Schönes an, wir haben auch Blutdruckpatienten und Herzkranke im Publikum. Ich freu mich auf Sie, Ihre Carmen"). "Für Immer" und "Wir könnten Götter sein" drohen in diese Richtung abzukippen. Radiohörer sind da durchaus gefährdet, beim Betrachten des Videos zur ersten Single immerhin weiß aber jeder gutbürgerliche Normaldeutsche: Das sind abgrundtief böse Menschen, die sich unfreundlich anmalen, die Welt brennen sehen wollen und wahrscheinlich in keinem Kultur- oder Gesangsverein Mitglied sind. Meine Diagnose: Man hätte die Gitarren ein wenig lauter drehen können, aber ich kann es noch gut verkraften.

Fatale Provokationsinsuffizienz
Echte Fans wiederum sind bestürzt: Ein bisschen das Gesicht anmalen, mit einem Baseballschläger Zombies nachjagen, im Video zu "Himmelsstürmer" ein paar Bomberflieger durchs Bild huschen lassen. Naja.  Bei "Fanatisch" benutzt man zwar ein geiles Medientrendwort, aber der Song kriegt nicht mal eine anständig ausgearbeitete Vergewaltigungsfantasie zustande, würde ein Till Lindemann brummelnd, aber zurecht anprangern. Das schockt nicht, das ist zu wenig, da winkt der BILD-Redakteur müde ab.

Chronischer Trendaufsprung, gepaart mit Selbstverleugnung
Zombies. Will ja heutzutage jeder. Und dann kommen die nur im Titelsong vor, der nun prominent bei RTL2 die Leute begeistert, die ihren Horror gerne geschnitten statt am Stück sehen wollen. Was hätte man noch für tolle Titel schreiben können, wie "Du schmeckst so gut", "Tief in mir (Steckt Dein Beil)" oder "Es geht mir nicht aus dem Kopf (Hymne An Ein Projektil)". Und schließlich waren Megaherz früher natürlich viel härter, gemeiner, derber, das hört man schon an der glattgebügelten neuen Fassung von "Hurra, wir leben noch", die wollen jetzt kommerziell erfolgreich sein und ihren Fankreis erweitern. Buuuhuuu.

Die abschließende Diagnose kann nur lauten: Alles falsch gemacht, aber Wurst.

Schlagt mich, kontaktiert die Andrea Berg-Hotline und hinterlasst meine Telefonnummer, meldet mich zum nächsten Euro-Dance-Contest bei SuperRTL an oder weist mich in die nahe gelegene Unheilig-Behandlungsstätte ein, aber mir gefällt es. Eingängiger, deutscher Düster-Rock, mit dem man in ordentlicher Lautstärke die Umgebung verärgern kann. Und darauf kommt es doch an.


27. Oktober 2014

IniRadio #317: Axel Rudi Pell - Magic

In den letzten Tagen habe ich meinen CD-Schrank aufgeräumt und ein paar Silberlinge verkauft. Wobei die bekannten Namen nur dermaßen geringe Centbeträge einbringen, dass man sie doch weiterhin in der Sammlung behält. Aber für die Werke vom Axel, vom Rudi und vom Pell gibt es noch gut Asche. Deshalb kommt hier jetzt "Magic" aus dem '97er Album desselben Namens. Mit Jeff, dem Scott, dem Soto am Mikro.

Ich muss mir jetzt wirklich auch mal einen schicken zweiten Vornamen ausdenken.
Mikael Trevor Inishmore. 

20. Oktober 2014

Support Rocket Beans

Ich mag die Typen einfach. Deshalb: hier flott hinsurfen, auf den "Supporte uns"-Button klicken und schön was da lassen. Gleicht auch das Karma für das ganze Umsonstpornogesurfe aus. Denn wie steht schon irgendwo in einem weisen Buch:
Juckt es dir öfter in den Lenden
Willst dich mit Schweinkram gar belohnen
Vergesse nie danach zu spenden
Zum Wohle der Raketenbohnen
Habe ich mir sagen lassen.


Ich hatte auf eine spektakulär wirkende Salbe gehofft

Da geht man mal zum Hausarzt, erwartet eine umfassende Analyse seines Leidens und dann entspinnt sich folgender Dialog:

Ich: (auf einen kleinen Knubbel knapp oberhalb meines Kinns zeigend)
"Herr Doktor, was hab ich da?"
Doc: (zieht Plastikhandschuhe an, startet Mini-Taschenlampe, leuchtet herum)
"Mmmh, weiß ich nicht. Dürfte aber gutartig sein. Ich würd's rausschneiden lassen."
Ich: "Örks."
Doc: "Geht schnell, dann eine Histologie machen lassen und wir wissen Bescheid."
Ich: (seufzend) "Ich hatte auf eine spektakulär wirkende Salbe gehofft."
Doc: (lachend) "Nee, das hilft nix. Schönen Tag noch!"

Ärzte leben halt in einer Welt, in der ich nicht zuhause bin. Einer Welt, in der Menschen fröhlich lachend in Skalpelle springen, sich tagelang den Körper vor Vorfreude rasieren und eincremen, damit das Messer besser durchgeht. Wo man abends begeistert in geselliger Runde im Schein einer OP-Lampe mit den neusten Datenblättern von Modellen künstlicher Gelenke Quartett spielt. Oder am Morgen danach gemeinsam mit der Familie das Salamibrot für die Schule mit Nadel und Faden zusammenfixiert.

Jetzt sitze ich hier, knete an dem blöden Knoten rum, schaue auf YouTube Warzenoperationen (nicht empfehlenswert, da mancher Scherzbold das in Eigenregie macht) und frage mich, welche Altherrenkrankheit ich mir demnächst zulegen könnte. "Oberschenkelhalsbruch", ruft die Treppe zum Arbeitszimmer lachend. 

14. Oktober 2014

IniRadio #316: Distant Cousins - Are You Ready (On Your Own)

Ach, diese fluffigen Akustiksongs im Stil von Mumford & Sons Of Monsters And Men kriegen mich doch immer wieder. Jetzt noch die Höhenangst überwinden und man kann das folgende Lyric-Video richtig genießen.


10. Oktober 2014

Seriencheck (76)

Nach einer Pause im September hier nun die ersten Bewertungen im neuen Serienjahr. Einige Trends: Damon Lindelof schlägt seinen ex-LOST-Mitstreiter Carlton Cuse, bei den neuen Shows lasse ich doch einiges mangels Interesses außen vor und The Big Bang Theory... oje. Plus: Endlich ein paar Zeilen zu zwei spät gesehenen TV-Serien.

THE LEFTOVERS (SEASON 1)


Überraschung! Am Ende der ersten Staffel sind noch viele, viele Geheimnisse offen. Aber das nehme ich den Verantwortlichen Lindelof und Perrotta gar nicht übel. Denn die Stärke der Show liegt woander: Sie schafft es, den Zuschauer immer wieder in diese seltsame Welt nach dem unfreiwilligen Exodus von 2% der Weltbevölkerung hineinzuziehen. Mit Figuren, die leiden; Situationen, die einen fragend zurücklassen; Ereignissen, bei denen man nur noch bass erstaunt zusehen kann. Und emotionalen Momenten, die einem wie bei LOST Schauer über den Rücken laufen lassen. Vor allem Momente der Episode "The Garveys At Their Best" hat mich hier mitgerissen wie damals die "Not Penny's Boat"-Szene des Inseldramas.

Der Einstieg mag manchen wegen seiner Rätselhaftigkeit überfordern, ich selbst fand den Pilot auch nur "befriedigend", aber wenn man einmal in die Fänge der Figuren gelangt ist, kommt man nicht mehr heraus. Gegen Ende werden auch einige der Mysterien aufgelöst, was die Sache allerdings nicht wirklich wenig bedrückender macht. Fazit: dicke Empfehlung von mir für Serienfreunde, die die berüchtigte 6. Staffel von LOST mittlerweile einigermaßen überwunden haben und damit zurecht kommen, dass man -diesmal allerdings vorab zugesichert- wieder nicht alle Auflösungen bekommen wird. Besser so als vom offiziellen Ende enttäuscht zu werden.

Gesamtwertung: 5,80 Punkte (sehr gut)

THE STRAIN (SEASON 1)


Ex-LOSTIE Carlton Cuse ist, das habe ich beim letzten Seriencheck unterschlagen, als Schreiber bei "The Strain" involviert. Was ich nicht unterschlagen kann und will: Die Show bricht nach knapp der Hälfte der Staffel doch etwas ein. Überzeugen zunächst die Einführung der Charaktere, der Aufbau der Geschichte und die Qualität der Effekte, verläuft so das Ganze ab Folge 8 eine Stufe weniger gelungen ab. Mich störte vor allem, dass mit Beginn der nächtlichen Vampir-Apokalypse relativ wenig los ist in Sachen Panik in und um New York. Keine Ahnung, ob die Einwohner und die Polizei des Big Apple die ganzen Kreaturen der Finsternis mit Zombies bei Dreharbeiten für "The Walking Dead" verwechseln, aber die Leute nehmen die ganzen Toten und unschön herumrandanlierenden Wiederbelebten doch recht gelassen hin. Weitere Gründe für meine eher abnehmende Zuschaufreude: Der kleine Sohn des Protagonisten nervt, der Obermeistervampir sieht doch ein wenig zu trashig aus, die Story geht so gut wie gar nicht voran und das Finale wirkt eher routiniert runtergedreht denn überraschend und Vorfreude auf die zweite Staffel schaffend.

Am Ende rutscht "The Strain" nach vielversprechendem Beginn damit doch noch ins "befriedigend". Zwar nur knapp, aber eine Aufrundung lasse ich angesichts der nach unten zeigenden Qualitätskurve diesmal sein.

Gesamtwertung: 4,98 Punkte (befriedigend)

RAY DONOVAN (SEASON 2)



Der Fixer kam mir diesmal viel zu spät in die Gänge. Guter Auftakt, danach allerdings ein eher mäßig packender Erzählstrang um einen investigative Journalistin, der sich zunächst bemerkenswert unspektakulär auflöst. Schon in der ersten Staffel fand ich den Auftritt des "HipHop-Wunderkind"-Freundes von Donovans Tochter wenig erbaulich, diesmal taucht er leider wieder auf. Miss Donovan hat darüber hinaus noch eine leidlich interessante Liebesaffäre anzubieten. Dazwischen kann zwar Jon Voight als Katastrophen-Daddy wieder überzeugen und auch das Brüderpaar Bunchy & Terry sehe ich gerne, aber so richtig in die Spur findet die Show erst in den letzten drei bis vier Episoden. Wer bis dahin durchhält, wird mit einem gut geschnürten Drama-Paket belohnt. Für die knappe "sehr gut"-Wertung der ersten Season reicht es diesmal aber bei weitem nicht.

Gesamtwertung: 4,85 Punkte (befriedigend)

BLACK-ISH (SEASON 1)


Andre "Dre" Johnson, erfolgreicher Ehemann und Vater, lebt mit seiner Familie in einer hauptsächlich von Weißen bewohnten Nachbarschaft und versucht seinen Kindern den Sinn für ihr kulturelles Erbe zu bewahren. 

Was ich erwartet hatte, war eine Art Neuauflage der Bill Cosby Show, halt ein wenig an die modernen Zeiten angepasst. Anthony Anderson, den ich u.a. in "Guys With Kids" sehr mochte, erschien mir als Familienoberhaupt gleich eine gute Wahl, Laurence Fishburne ("Hannibal") als schnippisch mosernder Großvater ebenso, der Rest des Casts kommt zudem sympathisch rüber. Allerdings trägt man mir in der ersten Folge doch zu dick auf mit der "black roots hip hop urban culture"; da werden Klischees aneinandergereiht, dass ich wirklich nur darauf wartete, dass einer der Darsteller in einen Rap ausbricht. Den viel besseren Eindruck hinterließ die zweite Episode ("The Talk"), in der das gute alte "Aufklärungsgespräch" an der Reihe ist und bei der vor allem Anderson bei seinen erzieherischen Erläuterungsversuchen eine bravorös komische Vorstellung abgibt. Ich hoffe, es geht weiter in diese Richtung.

Wertungsschnitt nach zwei Episoden: 4,80 Punkte (befriedigend)
Gucklistenstatus: nach erster Folge eher no, nach zweiter Folge definitiv yo!

MULANEY (SEASON 1)


Ein Blick auf das Leben eines Standup-Comedians, der seltsame Freunde und Bekanntschaften in und außerhalb seiner Wohnung unterhält. BITTE DENKEN SIE JETZT NICHT AN SEINFELD! BITTE DENKEN SIE JETZT NICHT AN SEINFELD! MULANEY HAT ZUM BEISPIEL EINEN BOSS, SEINFELD HATTE NIE EINEN BOSS! BITTE DENKEN SIE JETZT NICHT AN SEINFELD!

Tja, liebes Fox Network, ich denke aber halt an Seinfeld, wenn eine Show mit einem Standup beginnt und endet. Und, hey, das hättet ihr euch ja fast denken können, gegen Seinfeld hat Mulaney natürlich keine Chance. Brauchbare Ansätze sind vorhanden, so finde ich den Hauptdarsteller und ex-SNLer John Mulaney ja durchaus nett und charmant, Martin Short als exzentrischer Boss müht sich tapfer, aber so recht zünden will die Show zumindest im Piloten nicht. Die Nebenrollen leider sind blass bis dezent nervig besetzt, sodass als zwischenzeitiges Fazit bleibt: Als Zuschauer möchte man es mögen, aber es kommt einfach zu wenig.

Eindruck des Piloten: 4,0 Punkte (durchschnittlich)
Gucklistenstatus: mmh, eine Chance gebe ich der Show noch

SELFIE (SEASON 1)



Die Fernsehshow zum flippigen Trend, eine moderne Fassung von "My Fair Lady" featuring Eliza Dooley, einer selbstverliebten Diva mit reichlich social media fanbase, aber keiner echten connection in ze real wörld.

Pilot gesehen und entschieden: das kriegt kein "Like". Ich kann mich sonst ehrlich gesagt an gar nichts erinnern, von der Show ist null bei mir hängengeblieben, außer dass der neue Mr. Sulu mitspielt. Am Ende der Serie ist die hippe Schnöselin sicher eine ganz liebe Menschenfreundin, aber diese Entwicklung soll sie mal schön ohne mich durchmachen.

Eindruck des Piloten: 3,5 Punkte (unterdurchschnittlich)
Gucklistenstatus: abgesetzt

GOTHAM (SEASON 1)


Gotham, der alte Moloch von Stadt, in dem üblicherweise Batman für Recht und Ordnung sorgt, steht im Mittelpunkt dieses Prequels. Hauptfigur ist dabei Detective James Gordon, der frisch am GCPD angefangen hat und sich als ersten Fall mit der Ermordung des Ehepaares Wayne beschäftigen darf. In weiteren Rollen: Klein-Batman, Jung-Alfred, der Azubi-Pinguin, Teenie-Catwoman und die Frau von Will Smith im Overacting-Modus.

Finde ich richtig gut, obwohl ich mit Superhelden bekanntermaßen nichts anfangen kann. In jedem Fall besser als Agents Of S.H.I.E.L.D., weil man hier keinen Nebenschauplatz zu einem bekannten Franchise eröffnet, sondern einen Blick auf die Anfänge werfen darf. Klar, wer später welche Figur mal spielen wird, bekommt der Zuschauer stellenweise mit dem Holzhammer eingetrichtert, aber Setting, Ausstattung und Cast (okay, mit Jada Pinkett-Smith tue ich mich noch ein bisschen schwer) wissen zu gefallen. Nach drei Folgen ist mir neben Ben McKenzie ("Southland") vor allem Donal Logue als korrupter Detektivkollege, leidenschaftliches Großmaul und Ermittlungsnull Harvey Bullock ans Herz gewachsen. Quasi der Lt. Worf der örtlichen Verbrechensbekämpfung, der nie den richtigen Vorschlag macht, wenn es daran geht, ein Problem vorschriftsmäßig zu lösen. Last but not least bemerkenswert: Robin Lord Taylor als schön gruseliger und schräger Oswald "Pinguin" Cobblepot.

Drei Folgen sind gelaufen, zweimal gut, einmal sehr gut stand dabei auf meinem Wertungskärtchen. Meiner Meinung nach dürften an der Show nicht nur eiserne Batman-Fans ihre Freude haben.  Ein bisschen Wissen um den dunklen Ritter kann aber sicherlich nicht schaden.

Wertungsschnitt nach drei Episoden: 5,21 Punkte (gut)
Gucklistenstatus: kein bisschen flatterig, sondern derzeit sicher drauf

NACHGESCHAUT

HOUSE OF CARDS (SEASON 1 & 2)


Die Geschichten von Francis Underwood und seiner stets unterkühlt wirkenden Frau Claire dürften mittlerweile bei jedem anständigen Serienfan im Schrank stehen. Auch ich bin schon seit ein paar Monaten durch, hinkte aber mit der Sichtung ordentlich hinterher, sodass ich diese Perle aus Politik, Intrigen und Drama nicht in einem regulären Check unterbringen konnte.

Wen meine Meinung jetzt also noch interessiert: "House of Cards" ist großartig und selbst für weniger an US-Politik interessierte Zuschauer eine Bereichung für den Programmplan.
Die Hauptgründe:
  • Kevin Spacey; 
  • Intrigen, Verrat und andere Fiesheiten, dass selbst der alteingesessene J.R.Ewing-Fan respektvoll sich am Stetson zupft; 
  • In jeder Staffel mindestens ein "Der kann doch nicht... der wird doch nicht... der hat doch nicht???"-Moment; 
  • Trotz der doch stellenweise trockenen Materie spannende Geschichten, die keine Minute einer Folge langweilig werden;
  • Schließlich die Kunst, schon vom Auftakt an packende Unterhaltung zu bieten und ikonische Momente zu erschaffen. Glückwunsch, Netflix! Und wer wie ich alle Folgen gesehen hat, der weiß: Es wird noch härter kommen. 
Gesamtwertung Season 1: 5,42 Punkte (gut) / Season 2: 5,80 Punkte (sehr gut)

LEGIT (SEASON 1 & 2) 


Standup-Comedian Jim Jefferies mit seiner eigenen Show hat mich vor ein paar Monaten sehr positiv überrascht und konnte sogar mit der ersten Staffel meinen Lieblingsvertreter der derben Komikwahrheit, Louis CK, verdrängen. "Legit" ist dabei stark an den Geschichten angelehnt, die der trink- und drogenfeste Australier im Rahmen seiner Tourneeprogramme zum Besten gibt. Empfehlenswert für alle, die auch mal ins herzhafte belegte Comedy-Brötchen beißen können.

Jim kredenzt da stellenweise zwar die "Mett mit sehr viel Zwiebeln"-Variante, aber trotz aller deutlichen Sprache und Situationen hat das Ganze Herz und Verstand. Man könnte den Protagonisten sogar problemlos als Arsch mit Herz charakterisieren.  Darüber hinaus ist "Legit" wohl die Comedy, die für ihre Verdienste in Sachen Inklusion ruhig mal einen Preis hätte gewinnen können. Denn Behinderte, wie der den gelähmten Jugendfreund Billy spielenden DJ Qualls ("Roadtrip"), teilen hier gagmäßig aus und stecken auch ein, ohne dass es diskriminierend wirkt.

Der ausführende Sender FX hat leider nach zwei Staffeln den Stecker gezogen und die letzte davon ließ qualitätsmäßig schon etwas nach, weil die besten Geschichten bereits vorher verbraten wurden. Trotzdem hat mir die Show viel Spaß gebracht und wird noch desöfteren in meinem Codefree-DVD-Player landen, denn bisher gibt es (trotz Jefferies' Bekanntheit in Großbritannien und seinen auch dort beziehbaren Standups) wirklich nur einen NTSC-Release.

Gesamtwertung Season 1: 5,37 Punkte (gut) / Season 2: 4,86 Punkte (befriedigend)

Zum abrundenden Schluss noch das Serienbarometer:

THE BIG BANG THEORY: Vier Folgen und keine hat mich überzeugen können. Viel Beziehungstrara, kaum Geek-Spaß, die Freundinnen kommen mittlerweile auf gleich viel Sendezeit und sind aktuell in gleicher Zahl vorhanden wie die Ursprungsbande. Es scheint, als hätten mit den üppigen Gagen des Casts die Autoren keine echte Motivation mehr, sich groß anzustrengen. Wenn es so weitergeht, setze ich mich bald in Richtung "Silicon Valley" ab.
Tendenz: durchschnittlich

BROOKLYN NINE-NINE: Läuft absolut stabil und liefert ab. Die Autoren Goor und Schur machen qualitätsmäßig da weiter, wo sie bei "Parks & Recreation" aufgehört haben.
Tendenz: gut bis sehr gut

THE GOLDBERGS: Macht weiter Spaß, alleine schon wegen Supermutti Wendi McLendon-Covey und den 80er-Anspielungen.
Tendenz: gut

THE SIMPSONS: Es sagt schon einiges, wenn mir die Family Guy/The Simpsons-Crossover-Episode bei weitem besser gefiel als die bisherigen Episoden der 26. Staffel. Läuft auf das übliche "Viel Mittelmaß. Ein paar Highlights"-Schema hinaus.
Tendenz: durchschnittlich bis befriedigend

BOARDWALK EMPIRE: Die letzte Staffel, nur acht Episoden, aber dennoch baut die Show wie gewohnt eher langsam auf und gönnt sich gar einen ausschweifenden Rückblick auf die Jugendjahre von Enoch Thompson. Wird allerdings auch wie immer gegen Ende ordentlich aufdrehen, Al Capone ist jedenfalls schon in absoluter Top-Form.
Tendenz: gut bis sehr gut

MODERN FAMILY: Den Season Opener fand ich für Modern Family-Verhältnisse erschreckend schwach, in der zweiten Episode fängt es sich allerdings. Man wird wohl auch in dieser Staffel verstärkt mit nur zufriedenstellenden Folgen rechnen müssen, aber ich hoffe auf ein paar Sternstunden von Phil Dunphy, um das auszugleichen.
Tendenz: (noch) gut

THE MIDDLE: Sehr ordentlicher Auftakt, hält bisher eine höhere Qualität als die stellenweise arg mäßige fünfte Staffel. Wenn es einigermaßen in befriedigendem Rahmen läuft, guck ich es gewohnheitshalber auch dieses Jahr noch.
Tendenz: befriedigend

HOMELAND: Da kann ich nach der Doppelfolge zum Auftakt noch nicht so richtig einschätzen, wohin die Reise geht. Klar, Carrie zieht es wieder dahin, wo es Terroristen und Ärger gibt. Kann irgendwo zwischen Mutterliebemangelmelancholie, 24 und starkem Kriegsdrama landen. Abwarten. Ich hätte übrigens lieber mehr von Episode 1 und weniger von Episode 2.
Tendenz: befriedigend bis gut