Seriencheck (146)
Heute nachmittag fliegt mir eine E-Mail ins Postfach, dass ich bei einem Gewinnspiel (an dem ich tatsächlich auch teilgenommen habe) einen Panasonic TX-55 4K LED Fernseher gewonnen habe. Ich konnte den Gewinn bestätigen, habe meine Adresse angegeben und bin gespannt, was mir da - idealerweise zu meinem Geburtstag - angeliefert werden wird. In jedem Fall bekommt mein getreuer Panasonic Plasma späten Nachwuchs. Eine schöne Nachricht, die ich hier und jetzt als Einleitung für den aktuellen Seriencheck nutze statt mir etwas Neues dazu einfallen zu lassen.
STRANGER THINGS (Season 5)
Herzlichen Glückwunsch! Die Duffer-Brüder haben es tatsächlich geschafft, ihren voluminös aufgeblähten Serienkoloss "Stranger Things" über die Ziellinie zu schleifen. Vier Folgen vor Weihnachten, drei Folgen an Weihnachten, das epische Finale als Jahresausklangsknaller. War es denn auch derart sensationell wie es dem Veröffentlichungsplan von Netflix untergeschoben wurde?
Das Wiederreinkommen machte auch mir, der die ersten beiden Staffeln sehr gut fand, danach aber zunehmend kritischer gegenüber der Show wurde, durchweg Spaß. Viele der Darsteller gehen wirklich nicht mehr als Teens aus den 80ern durch, immerhin hat man Will Byers dieses Jahr keine fiese Friese verpasst. Der Cast hat sich mittlerweile auch zahlenmäßig stramm nach oben entwickelt und selbstverständlich muss zum Abschluss jeder mal seine eigene Szene bekommen. Was leider bedeutete, dass meine Sogarnichtlieblingsfiguren Murray und Erica meine Mundwinkel herunterziehen durften. Und mit Derek Turnbow gar weitere Gesellschaft im Klub der Nervensägen erhielten.
Soll ich etwas über die Story schreiben? Überraschen dürfte da eher wenig, zumindest in den ersten Episoden. Doch nicht alles geregelt nach dem letzten Staffelfinale, Demogorgons, Vecna, Militär (mit einer gealterten Sarah Connor), Koma, nächste Generation am Start, Eleven im Trainingslager, Joyce nur am mütterlichen Herumhibbeln, Will schwant Böses. Tja. Okay. Ich lasse meine Unzufriedenheit wertungsmäßig bei der Episode "Sorcerer" ab, hangele mich ansonsten zwischen 4,5 und 5 Punkten (inklusive "weil ist ja jetzt bald endgültig Schluss"-Milde) durch.
Die große Offenlegung von Will, die die konservative Hetzmeute in den asozialen Netzwerken um den Verstand bringt? Pfft, mir doch egal. Soll er. Darf er. Kann er. Ich will jetzt Finale, ohohoho. Und das Finale selbst fand ich dann sehr gut. So sehr gut, dass ich im Nachhinein schreiben muss: Mir hätte das alleine schon gereicht. Von den anderen Episoden noch eine halbe bis dreiviertel Stunde die interessantesten Action-Szenen (wie die mit "The Trooper" von Iron Maiden, dazu ein bis drei Kate Bush "Running Up That Hill" weniger), das Ganze vorab als Mega-Kinoevent, damit die Leute nochmal in die Lichtspielhäuser strömen, von mir 5,5 Punkte als Abschlusswertung, fertig. Aber man musste ja für die Plattform Netflix alles größer und länger aufbieten.
Ich mochte, wie die Duffer-Brüder letztendlich die tragenden Figuren der Serie behandelt haben. Alle erhalten in den hobbitmäßig langen Nachfinalkampfszenen ihren Moment der Würdigung und Reflexion. Keiner wird gebrochen, enttäuscht oder betrogen und als Zuschauer gehe ich sehr wohlfühlig aus der Nummer. Mein Fazit: War ein bisschen zu sehr in die Länge gezogen mit 5 Staffeln, aber es kam zu einem guten Ende. Nachschlag? Danke, aber nein. Mehr brauche ich nicht.
GESAMTWERTUNG: 4,86 Punkte (befriedigend)
IT: WELCOME TO DERRY (Season 1)
"Welcome To Derry" gelingt etwas, was ich in meiner nun bald 20-jährigen Seriencheckerei selten bis gar nicht attestieren konnte. Nämlich eine Saison mit der Höchstpunktzahl für das Finale abzuschließen. 6 Punkte für "Winter Fire", daran gibt es nichts zu rütteln und zu schütteln, Herr Pennywise.
Bis auf eine kleine Schwächephase (seltsamerweise in der Episode, in der Pennywise erstmals großformatig auftritt) lief die Show absolut rund und sicher auf der 5 - 5,5 Punkteschiene. Die Horrorsequenzen wurden heftiger, mit dem Rückblick auf die Vorgeschichte von Pennywise lieferte man neue Einsichten abseits der jüngsten Verfilmungen, die Darsteller wussten weiterhin zu überzeugen. Was mich in der Ansicht verstärkte: IT funktioniert am besten mit Kinderdarstellern als Protagonisten.
Im Finale geht es dann über sämtliche Tische und Bänke, mit sehr kinderunfreundlichen Auftritten des Clowns, deren Härtegrad die Filme locker übertrifft und einem runden Abschluss, der keine Fortsetzung braucht. Und auch nicht bekommt, denn die nächste Staffel dürfte wohl im vorherigen Aufwachzyklus des Kinderfressers spielen. Man arbeitet sich sozusagen rückwärts durch die Ursprungsgeschichte. Ich bin dann mit Sicherheit wieder dabei.
GESAMTWERTUNG: 5,50 Punkte (sehr gut)
PLURIBUS (Season 1)
Carol ist dann doch ein bisschen abgestürzt. Verständlich, wäre ich in ihrer Situation mit diesen verdammt ekelhaft freundlichen Außerirdischen wohl auch. Allerdings bezieht sich die Einleitung leider ebenfalls auf das Unterhaltsamkeit- und das Spannungslevel der Episoden. Dort ging es nämlich von 3x 5,5 zu Beginn über 3x 5 zu 2x 4,5 und schließlich für das Finale noch mit Wohlwollen 5 Punkten. Was war da passiert?
Tja...zu wenig, um ehrlich zu sein. Unsere Heldin der Mürrischkeit ist zunächst einer großen, fetten Sache auf der Spur, deren Aufdeckung den Aliens aber mal so richtig Feuer unterm Hintern gemacht hätte. Aber die klären die Situation mithilfe von John Cena liebenswert und verständnisheischend auf, sodass aus dem Eklat letztlich ein sanfter Furz im Wind wird. Danach macht Showrunner Vince Gilligan das, was er schon bei "Breaking Bad" gerne mal eingeflochten hat: Langsamkeit bis zum Stillstand. Damals bei Herrn Heisenberg machte das nichts aus, man konnte es als Verschnaufpause deklarieren und die Akteure rissen es irgendwie schon wieder raus.
Hier aber passiert ebendies nach 7 und 8 der insgesamt nur 9 Episoden und Frau Seehorn trägt die Nummer die allermeiste Zeit nun mal alleine auf ihren Schultern. Das Finale knallt schließlich auch nicht so, dass man die ganz ruhigen und repetitiven Phasen (den Anrufbeantwortertext der Aliens kann ich immer noch auswendig aufsagen) als gemächlichen Anlauf zu einem fulminaten Ende sehen könnte. Insgesamt also ein sehr guter Start mit ein wenig Stottern hintenraus. Wenigstens ist eine zweite Staffel gesichert, da man den Titel der meistgesehenen Serie auf Apple TV einheimsen konnte. Glückwunsch, Carol!
GESAMTWERTUNG: 5,20 Punkte (gut)
MAN VS BABY
Hier könnte ich eigentlich weite Teile meiner Besprechung von "Man vs Bee" erneut einkleben. Denn Rowan Atkinson liebe ich immer noch. Statt neun Mal zehn Minuten gibt es vier Mal eine halbe Stunde, es geht diesmal deutlich weniger chaotisch zu, dafür wegen des Babys aber goldiger und herzerwärmender. Eigentlich eine glatte 4,75 Punkte-Wertung, weil zweimal 5 und zweimal 4,5 Punkte; wegen des wohligen Weihnachtssettings lege ich aber noch 0,1 Punkte zusätzlich drauf. Weil ich Rowan Atkinson immer noch liebe.
GESAMTWERTUNG: 4,85 Punkte (befriedigend)
FALLOUT (Season 2)
Die erste Staffel von "Fallout" gefiel mir. Leider muss ich nach Sichtung der zweiten Staffel hinter diesen Eröffnungssatz das kleine Wörtchen "noch" anfügen.
Ich habe mich die ersten Folgen ehrlich gesagt dezent durchgelangweilt. Und die restlichen mehr oder minder auch. Die sind nicht schlecht, aber eben weit entfernt von gut. Okay halt, oder um den Lieblingsspruch von Protagonistin Lucy abzuwandeln: Okay-Dokay. Kurz: Die Show kriegte mich einfach nicht, egal, was sie ausprobierte.
Die zahlreichen Handlungsstränge? Pfft, mich interessierten eigentlich nur Lucy, der Ghoul und Maximus (okay und Dogmeat, weil braves Hundi). Das Schicksal der im Vault Zurückgebliebenen? Meh. Papa MacLean und seine bösen Umtriebe? Gähn. Die Rückblenden in die Vergangenheit des Ghouls? Naja. Die Goremomente? Kennt man aus Staffel 1. Der berühmteste Kevin als römischer Zenturio bei den Caesarwahnsinnigen? Rauschte kaiserlich an mir vorbei. Das neue Setting Las Vegas? Nix da, baby. Aber die Deathclaws und die epischen Kämpfe gegen sie? Nein, tut mir leid, auch hier komplette Abwesenheit von ekstatischen Zuckungen. Ach ja, und der Humor zündete bei mir weiterhin nichts großflächig an.
Einmal habe ich die 5 Punkte gezogen, bei der Episode "The Demon in the Snow". Ich könnte aber jetzt wirklich nicht mehr sagen, warum. Auch das Finale ließ mich kalt und die Aussicht auf die dritte Staffel umso mehr. Hätte ich vielleicht doch mal die Spiele zocken sollen?
GESAMTWERTUNG: 4,56 Punkte (befriedigend -)
Reingeschaut
THE MUPPET SHOW
Die Muppets wagen mit ihrer Show einen weiteren Anlauf. Zunächst nur für eine Episode, zu der sie Sabrina Carpenter als Stargast sowie Seth Rogen und Maya Rudolph als launige Kurzgaglieferanten eingeladen haben. "Bloß keine Experimente!!!" schien dabei das Motto zu sein, denn die knappe halbe Stunde hätte vom Ablauf, den Sketchen, den Figuren bis hin zu den Gesangs- und Tanznummern (man ist immerhin eine Varieté-Show) exakt so in den glorreichen 70ern laufen können, als die Muppets das Coolste waren, das ich als kleiner Knirps sehen durfte.
Weshalb die gesammelte "Alles-woke-scheiße-und-früher-war-alles-besser"-Schar in den sozialen Median vom Daumenheben bereits Muskelkater bekommt. Ich fordere jetzt keine scharfzüngige Satire oder pointierte Kritik am Weltgeschehen von Kermit, Miss Piggy, Fozzy und Gonzo (ja, auch sein Schluss-Gag ist drin), aber mir kam das doch auch mit nebelhaft nostalgischer Verklärung ein paar Schrote zu altbacken vor. Weltstar(?) Carpenter schleimt sich bei Miss Piggy ein, Gonzo scheitert an einer Stuntnummer und schiebt dies immer wieder durch die Show, Kermit singt im Boot, die Ratten nerven mich immer noch, die Schweine sind nicht mehr im Weltall, aber mit Perücken unterwegs. Rogen und Rudolph schließlich agieren in Sachen Witzigkeit leider komplett vernachlässigbar.
Vor Lachen am Boden lag ich wahrhaftig nicht, stattdessen ging mir der Gedanke durch den Kopf, ob ich das in den späten 70ern bzw. Anfang der 80er nicht schon in besser gesehen habe. Immerhin war die Abschlussnummer "Don't Stop Me Now" eingängig und schön inszeniert. Stoppen möchte ich euch wirklich nicht, ihr liebenswerten Muppets. Aber bringt vielleicht das nächste Mal einen Comedian als Stargast in die Bude und werdet etwas frecher. Bisher kann ich für die Nummer nur mit viel gutem Willen und Liebe zu Jim Hendersons Werk ein knappes befriedigend geben.
GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend)
A KNIGHT OF THE SEVEN KINGDOMS (Season 1)
HBO präsentiert wieder was von Game Of Thrones. Nein, nicht die revisionierte Fassung der abschließenden Staffel, sondern eine Kurzgeschichte von George RR Martin namens "The Hedge Knight", die etwa 90 Jahre vor den Thronspielen angesiedelt ist.
Der groß gewachsene, etwas tumbe, aber im Herzen liebenswerte Heckenritter "Dunk" Duncan will nach dem Begräbnis seines Lords und Ausbildungsritters an einem Reitturnier in Ashford teilnehmen, um sich zu etablieren und einen Namen zu machen. Dabei schließt sich ihm der kleine, glatzköpfige Junge Egg als Knappe an. Es geht, wie es halt oft so ist im trüben Zeitalter in Westeros, einiges schief.
Ich bin in die ersten Folgen etwas schwer reingekommen. Klar, das ist weit weg von den glamorösen und intrigenreichen Epen der Hauptserie, hier stehen Dreck, Matsch, Armut und allgemeines gesellschaftliches Verlierertum im Vordergrund. Ist der Heckenritter doch schließlich nur ein Ritter für Arme, ohne Ansehen, Land und dauerhafte Bleibe. Reizpunkte wurden zunächst nur in Sachen derber Sprache und derber Darstellung von Körperfunktionen unterhalb der Gürtellinie gesetzt, aber die Beziehung zwischen Dunk und Egg konnte mich sofort für sich einnehmen.
Mit der dritten Episode war ich dann allerdings drin. Eine überraschende Enthüllung, gut abgehangenes Drama, die Targaryens liefern wieder einen frisch hassenswerten Arschlochtypen für die Geschichte ab. Das mochte ich, da bleibe ich dran, da bin ich guter Dinge, dass es sich weiterhin steigert.
DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 5,10 Punkte (gut)







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