Seriencheck (147)

Gute drei Monate liegt der letzte Seriencheck schon wieder zurück. Die Leserschaft dürstet nach einer neuen, prall gefüllten Ausgabe und ich darf freudig erklären: Es wird eine große Enttäuschung geben.

Denn ich habe seit der einen zuletzt besprochenen Ausgabe der Muppet-Show gerade mal zwei(!) TV-Serien gesehen. Was jetzt nicht damit zusammenhing, dass ich meinen neuen 4K-Fernseher mit diversen UHD-Filmen bestückt und viel zu viele von letzteren gekauft habe. Mich hat der meiste Kram, der als Serie über den Schirm flimmerte, einfach nicht interessiert. Und damit rein in den Check, bevor ich als Einleitung noch mehr schreibe als es die Reviews hergeben.


SCRUBS 2026 Season 1


Was war die Freude groß, als es hieß, dass JD, Turk, Elliot und all die anderen liebenswert kaputten Krankenhausmenschen aus den frühen 2000ern wieder zurückkommen. Was habe ich die Show damals geliebt, obwohl man mich mit allem, was mit Ärzten zu tun hat, üblicherweise vortrefflich  jagen kann (vor allem deutsche Produktionen). Als Ausdruck meiner Zuneigung habe ich mir sogar das T-Shirt mit dem Röntgenbild gekauft und viele Sommer stolz getragen.

Nun also die Neuauflage. Mit fast allen Originaldarstellern (Ken Jenkins als Dr. Kelso ist mit seinen 85 Jahren leider nicht mehr fit genug) an Bord, alle um 16 Jahre gealtert, zurück im formidabel wiederaufgebauten Sacred Heart in einem mysteriös gebliebenen Ort in Kalifornien. 

Nachdem ich die ersten drei Episoden gesehen hatte, postete ich direkt den Auftritt von Braff und Faison bei Jimmy Kimmel und schrieb dazu:


"Die Rückkehr von Scrubs hat die Welt für mich zu einem erträglicheren Ort gemacht. Mann, was haben wir die Bromance zwischen JD und Turk nochmal gebraucht."


Das bringt die Sache auf den Punkt. Scrubs ist zurück und die Operation ist absolut gelungen. Die drei wilden jungen Azubis sind nun älter und angesehene Ärzte, aber genauso mit herzigen Macken und Schrullen versehen wie damals. Klar, die Art, wie JD plötzlich den Chefposten bekommt, wirkt nicht ganz nachvollziehbar, aber hey, es ist eine Comedy mit leichten Drama-Elementen. Viel wichtiger: die neuen Interns und das neue Personal gehen allesamt in Ordnung, da nervt keiner (anders als in den einstmals finalen Staffeln, looking at you Mr. Dave Franco!), die stehen noch nicht im Vordergrund und lassen den bekannten Figuren mehr als Platz für ihre Gags. Judy Reyes, John C. McGinley und Neil Flynn hätten gerne öfter vorbeischauen können, dafür setzt McGinley gegen Ende noch ein emotionales Highlight.    

Wertungsmäßig fielen nur zwei der insgesamt neun Episoden ein wenig ab, ansonsten bewegte sich der Patient nach der langen Liegezeit stabil zwischen 5 und 5,5 Punkten. Tut mir leid, aber Geschichten über Fitnessinfluencer mit TikTok-Diätproblemen gehen mir sowas von am Doktorkittel vorbei. Die zweite Staffel ist mittlerweile in trockenen Tüchern und das kann von mir aus gerne so weiter laufen. Schön, dass es auch gelungene Reboots gibt.

GESAMTWERTUNG: 5,21 Punkte (gut)


MALCOLM IN THE MIDDLE - Life's Still Unfair Season 1


 

Was war die Freude groß, als es hieß, dass Hal, Lois, Malcolm, Reese und all die anderen liebenswert kaputten... Moment, das hatten wir doch schon. "Malcolm in the Middle" lief ebenfalls in den frühen 2000ern und brachte den wunderbaren Bryan Cranston ins Scheinwerferlicht der Comedy. Hal war schon immer meine absolute Lieblingsfigur der Serie, seine energische Frau Lois und die Kids mit ihren Streichen und dem familiären Chaos mussten sich mit gebührendem Abstand dahinter einreihen.

Die Neuauflage begann und ich war direkt wieder voll dem Hal-Charme erlegen. Cranston hat es einfach weiterhin drauf. Der Rest des Castes fällt dagegen meiner Meinung schon mehr als ordentlich ab. Lois bemüht sich, mit Hal mitzuhalten, die Kids.. naja, die können halt nicht mehr ihre Rollen von früher nochmal spielen, dafür sind sie zu erwachsen geworden. Jeder bekam einen Lebenslauf, jeder will auf seine Weise nochmal das Chaos und den Spaß des Originals verbreiten, aber knallhart formuliert: außer über Hal habe ich über niemanden gelacht.

Stark ist die Serie zweifellos beim Herankarren fast sämtlicher Haupt- und Nebenfiguren. Außer Dewey, dessen Darsteller Erik Per Sullivan die Schauspielerei an den Nagel gehängt hat, sind wirklich alle dabei, die in der ursprünglichen Serie auch nur einen ansatzweise längeren Auftritt hatten. Da steckt ohne Frage viel Wiedersehensfreude drin, aber wieder ehrlich gesagt: zu mehr als ein paar Schmunzlern reicht es nicht.

Die neuen Figuren? Gaben mir nichts. Über die Tochter von Malcolm möchte man noch ein bisschen Highschool-Flair reinbringen, aber das prallt an mir ab wie die Versuche von Frankie Muniz, schwer familienbeziehungsgestört und lustig zugleich zu sein.

Von den gerade mal vier Folgen konnte mich die erste am ehesten überzeugen, die zweite fällt schon leicht ab, aber Hal bringt beide als Spaßmotor noch gut über die Ziellinie. Episode drei schmerzt, weil man Cranston wieder mal auf einen freakigen Drogen-Trip schickt (was ich immer noch angesichts  der komödiantischen Qualitäten des Mannes für faul und einfallslos halte) und der Rest eher unlustig vor sich herspielt. Das Finale? Nicht mehr als okay. Ich kann mich eigentlich schon nicht mehr erinnern.  

Was ich gelesen habe, kam die Show eher gespalten an. Von "besser als das Original" bis "komplett unnötig" ist so ziemlich alles dabei. Ich liege da eher in der Mitte. Schön, dass man Bryan Cranston nochmal in seiner einstigen Paraderolle sehen durfte. Aber mehr davon brauche ich wirklich nicht. Gerade was die damals jungen Darsteller angeht, war "Malcolm in the Middle" zu sehr ein Kind seiner Zeit und kann nicht mehr 20 Jahre später einfach so wiederbelebt werden.

GESAMTWERTUNG: 4,50 Punkte (befriedigend -) 

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