CD des Monats: POWERWOLF - Blessed & Possessed

Die höchst informative und schreiend komische neuseeländische Dokumentation "5 Zimmer, Küche, Sarg" / "What We Do In The Shadows" bringt es in einer Szene (hier im Original)  schonungslos an den Tag: so ein Leben als Werwolf ist auch kein Mondsspaß. Ständiges Gedisse von Vampiren, ermahnende Kontrolle durch den Anstands-WolfWolf ("Don't be a swearwolf!"), nass-muffeliger Ersteindruck und natürlich immer wieder zerrissene Kleider, nur weil man sich kurz über das nicht geschmissene Stöckchen aufgeregt hat. Aber eines können diese geplagten Wesen für sich in Anspruch nehmen: Sie haben dank Powerwolf die geilere Musik.

Es ist zum Anheulen, denn die Saarländer mit dem rumänischstämmigen Attila Dorn am Frontkreuz haben schon wieder eine schmissige Hitansammlung aus den moderigen Talaren gezaubert. Ein Spaß für die ganze Familie, wenn nicht gerade ein kirchlicher Würdenbedenkenträger unter ihnen ist, der als einziger natürlich den ganzen Sermon ernst nimmt und mit dem ewigen Fegefeuer droht. Der Rest weiß allerdings Bescheid: Wer vor der Messe der bleich angemalten Gesellen sein Gesangbuch vergessen hat, muss sich nicht grämen. Das Wichtigste (sprich: die Refrains) packt man sich beim Hören spielerisch leicht drauf. Und falls jemand statt dem Ritualgewand aus Versehen die gestreifte Spandex oder das alte Dschinghis Khan-Kostüm aus den späten 70ern angelegt hat, muss er keineswegs mit der Exkommunikation am Einlass rechnen, denn letztlich ist das Ganze eine große gemeinsame Party mit viel Spaß an der Verkleidung, gröligem Mitsingen, zünftigem Powermetal, heftigem Georgele und ein wenig Blut im Kelch.

"Blessed & Possessed" lässt sich locker in einem Rutsch durchhecheln, die Eingängigkeitsdichte liegt dermaßen beschämend hoch, dass Kritiker, die hier Einfallslosigkeit, Repetition und musikalische Wiederkäuung ankreiden, von mir aus sich mal gepflegt in den Beichtstuhl einsperren und es der Holzvertäfelung erzählen können. Wenn ich eine spontane Empfehlungsliste zum Reinschnüffeln abgeben müsste: "Blessed & Possessed", "Army Of The Night", "Armata Strigoi", "Higher Than Heaven" (das drolligerweise dasselbe galoppierende Begleit-Riff wie "Armata Strigoi" verwendet) oder "Christ & Combat". Wer davon nicht angesteckt wird, ist halt immun und muss sich bei den Vampiren nach guter Musik umhören. Ansonsten gilt: Nicht lange rumgerudelt, sondern los und die CD gekauft, damit das Ding wie der Vorgänger auf dem ersten Platz der Albumcharts landet.

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