Seriencheck (124)

Tja, das war vor zwei Monaten nun wirklich kein überragendes Potpourri an vorgestellten und bewerteten Serien. Eher nur so befriedigendes Zeug. Gut, dass jetzt Ostern vor der Tür steht. Schlecht, dass ich auch diesmal nicht viel Tolles gefunden habe.

SERVANT SEASON 1 & 2

 

Die Lokaljournalistin Dorothy (Lauren Ambrose, Six Feet Under) und der Chefkoch Sean (Toby Kebell, Black Mirror: The Entire History Of You) engagieren das Kindermädchen Leanne (Nell Tiger Free, Game of Thrones) für ihr Baby Jericho. Das Mysteriöse jedoch: Mit dem Kleinkind stimmt etwas nicht! 

Obwohl: Mit Dorothy auch nicht. Okay, wenn wir schon dabei und ganz ehrlich sind: Leanne hat gepflegt einen an der Klatsche. Und was Sean zuhause zusammenköchelt, puh, das will ich gar nicht ausführen. Bleibt noch Julian (Rupert Grint, Harry Potter), der Bruder von Dorothy. Der wiederum scheint mir stabil - zumindest in Sachen Alkoholkonsum, denn er bechert während der Serie durchgehend zahllose Weingläser leer. 

[bitte im vorwurfsvollen John-Oliver-Last-Week-Tonight-Vortragston lesen] Von Executive Producer M. Night Shyamalan. Das erklärt zumindest den Mystery-Klatschen-Anteil. Aber Julian, das mit dem Saufen muss echt mal aufhören. Krieg deinen Scheiß auf die Reihe, Julian! Du warst in den Harry-Potter-Filmen, meine Güte, denk doch mal an die Kinder! Moving on...

Da ich gerade Lust auf gruselhaft-geheimnisumwobenes Geschichtenerzählen hatte, schaute ich direkt beide verfügbare Staffeln. Bei einer Laufzeit von um die 30 Minuten à zehn Episoden ein gut an zwei Wochenenden realisierbares Vorhaben. Die Show erzählt ihre Story mit Ruhe, bietet dabei aber eine beständige Abfolge an What the Fuck-Momenten und -Wendungen, alles dezent schaurig in einem wabernden Rahmen der Seltsamkeit eingebettet. Dem Zuschauer wird rasch klar, dass hier so einiges schreiend nicht mit seinem gewohnten, drögen, überschaubaren Corona-Alltagstrott übereinstimmt, woraus sich wiederum jedenfalls für mich ein großer Teil des Sehvergnügens speiste. Das Urteil: insgesamt durchgehend gut, zwei Folgen landeten gar bei "sehr gut".

Staffel zwei konzentriert sich sodann auf eine große Frage, hält insgesamt das Niveau, leistet sich aber auch drei Episoden, die ich doch nur okay fand. Der übliche Schwund bei einer Serie, die auf Undurchsichtigkeit setzt, zuvor schon einiges enthüllt hat und sich auf wenige Figuren und Örtlichkeiten konzentriert. Sean panscht auch nicht mehr so schön ekelhaft Zeugs zusammen, das ich nie anrühren würde, wäre ich bei seiner Herstellung zuvor zugegen gewesen. Eine dritte Season ist in trockenen Tüchern und ich werde wieder dabei sein, allerdings ohne Serviette, falls Sean kocht und mit roter Karte in der Hand, sollte Julian mit einem Weinglas auftauchen.

GESAMTWERTUNG:

SEASON 1: 5,20 Punkte (gut) / SEASON 2: 4,85 Punkte (befriedigend) 


WANDAVISION SEASON 1

 

Ich habe eine Superhelden-Serie geschaut. Bis zum Ende. Auch, weil ich dachte, es wäre eine Art "fish out of water"-Comedy-Show mit Marvel-Figuren. Hätte ich toll gefunden, denn bis auf "Deadpool" und die "Guardians of the Galaxy"-Recken finde ich den Humor in diesem Genre immer arg bemüht.

Allerdings sollte man zumindest alle Avengers-Filme (besonders Age of Ultron) gesehen haben, um "Wandavision" richtig genießen und verstehen zu können. Von daher darf diese Besprechung bereits und volkommen zurecht an dieser Stelle als unwürdig, uninformiert und unnötig bezeichnet werden, denn natürlich kennt der Autor die wunderbare Marvelwelt nur sehr, sehr bruchstückhaft und hält Ultron für einen der Transformers. Für Fans des Universums deshalb hier ein Gast-Kurzreview:

[bitte im euphorischen Jimmy-Fallon-The-Tonight-Show-Vortragston lesen]  Oh mein Gott! Was für eine tolle Show! Die beste Show, die ich jemals gesehen habe. So witzig, ich konnte stellenweise nicht mehr vor Lachen. Und die Anspielungen, die Hinweise, die versteckten Andeutungen. Wahnsinn, mir wäre fast der Kopf geplatzt. Was das alles für die nächsten Filme bedeuten kann! Whoo-hooo! Als dann plötzlich in Episode 4 die "show behind the show" offenbart wird... WOW, einfach nur WOW! Mind blown! Und wart ihr nach dem Finale auch so fertig wie ich? Einfach nur fertig, weil, boah, die Action, das Drama... ich habe mich immer noch nicht davon erholt, hihi. Fazit: Die superste Superheldenserie, einfach nur super!

So. Ab hier übernehme ich dann wieder. 

Ging größtenteils gerade so in Ordnung, wenn man wie ich die ganzen MCU-Anspielungen komplett nicht verstanden hat. Meine Wenigkeit und mein Bruder (Comedy-Experte für die 50er und 60er) saßen stellenweise ratlos davor wie der Feuilletonist bei der Übertragung eines DotA 2-Turniers mit Livekommentar. Zweifellos wird deutlich, dass Elizabeth Olsen und Paul Bettany Spaß an ihren Rollen in dem ungewohnten Setting hatten. Die Macher haben auch den besonderen Stil und die Standard-Plots der Comedyshows der vergangenen sechs Jahrzehnte gut eingefangen, stellenweise gar mit erheblichem technischem Aufwand und Liebe zum Detail. Allerdings war das Ergebnis dabei aus meiner Sicht weder Hommage noch Parodie, sondern schlicht Nachahmung, ohne an den Charme und den Witz des Originals herankommen oder ihn augenzwinkernd in die Mangel nehmen zu wollen.

Die Show hinter der Show erinnerte mich dann an "Marvel's: Agents of S.H.I.E.L.D", von der ich 2014 knapp die Hälfte der ersten Staffel durchgehalten habe. Kann man gucken, tut nicht weh, es geht aber auch gut ohne. Acht Episoden, acht mal die 4,5 Punkte der Ratlosigkeit bei gleichzeitiger Würdigung der handwerklichen Qualität vergeben. Bis ich im Finale schließlich geballt mit dem konfrontiert wurde, was mir Superheldenfilme so zu vergällen pflegt: Fliegende Menschen, die sich mit Blitzen beschießen. Fliegende Menschen, die sich in Gebäude schlagen. Übertriebener Pathos. Aufgebauschtes Drama, das mich komplett kalt lässt. Da winke ich ab. Das soll toll finden, wer es mag. Ich bin raus. 

Edit: "The Falcon and the Winter Soldier" lasse ich dann mal besser aus.   

GESAMTWERTUNG: 4,44 Punkte (befriedigend -)

 

MAGNUS TROLLJÄGER SEASON 1

 

Der zwischen Idiot und Genie stark hin- und herpendelnde Polizist Magnus löst im schönen Norwegen einen Mordfall mit Hilfe seines suizidgeneigten Kollegen Dan und einem kleinen Jungen, der irgendwie in die Ermittlung hineingeraten ist. Trolle, Gnome und andere nordische Fabelwesen inklusive. Norwegische TV-Serie aus dem Jahr 2019, bei uns aktuell in der ARD-Mediathek noch bis zum 11.4.2021 abrufbar.

Diese Show ist dermaßen bescheuert und doof, aber eben auch liebenswert, dass sie direkt von Beginn an mein Wohlgefallen fand. Man muss es selbst erlebt haben, wie Vidar Magnussen als Magnus mit oft wenigen Mitteln das Maximale an Quatsch aus einer Szene herausholt. Manchem Comedyfreund mag das stellenweise arg zu kindisch sein, mich hingegen hat es amüsiert, wofür ich angesichts der derzeitigen Dürre in Sachen Komödien umso dankbarer bin. Von Slapstick über peinliche Verkleidungen hin zu schwarzem Humor, Krimi natürlich, Fantasy ebenso, ein bisschen Romantik und Grusel oder auch schlicht sympathisch offen gezeigte Blödheit - alles drin und mit gerade mal sechs halbstündigen Episoden schnell durchgeguckt.  

GESAMTWERTUNG: 5,13 Punkte (gut)
 

AMERICAN GODS SEASON 3

 

Dass es nach der von den Zuschauern eher mit wenig Liebe aufgenommenen und von Streitigkeiten bei den Machern geprägten zweiten Staffel überhaupt noch weitergehen würde, hat mich schon überrascht. So übel war das Ganze jetzt nicht, aber eben ein ziemlicher Rückschritt gegenüber der ersten Season, die damals mit Karacho einschlug wie Odins Schwert einst in seine Feinde. Kann die neue Ausgabe wieder an alte Stärken anknüpfen?

Wer die Frage allein davon abhängig macht, ob es jetzt zur großen, epischen Schlacht zwischen alten und neuen Göttern kommt, dem darf ich mitteilen: Nope. Ich wäre auch bereit für einen zünftigen Clash gewesen, aber Odin schickt man auf die Reise zu einer alten Flamme, um ihn dann ein Komplott gegen seine Wächterschar aufdecken zu lassen. Shadow Moon (Ricky Whittle diesmal mit vollem Haareinsatz) ist auf einer Mystery-Nebenmission im ländlichen Lakeside, Laura Moon steckt in einer der besseren Folgen in der Vorhölle fest und begibt sich sodann auf die Suche nach einer Waffe. Insgesamt also keiner da, um dem schmierigen Mr. World die spitze Nase zu plätten.   

Wertungsmäßig lief das durchgehend auf der 4,5 Punkte-Schiene mit zwei Ausreißern eine Stufe höher, woran freilich Ian McShane einen gewissen Anteil hatte. Denn dem alten Zausel schaue ich halt immer wieder gerne beim Schauspielern zu. Lobend erwähnen möchte die beiden letzten Episoden, die einen wirklich runden Abschluss der aufgebauten Storybögen bildeten und Zuschauer wie mich, die trotz der Enttäuschung über die ausgefallene Ragnarök-Keilerei drangeblieben sind, zufrieden in die Wartezeit zur jüngst  bestätigten (EDIT: nun aber doch abgesagten) vierten Staffel (wird dann wohl im besten Fall ein abschließender Film) entlassen konnten.

GESAMTWERTUNG: 4,80 Punkte (befriedigend) 

THE STAND

Dass die Neuaufbereitung von "The Stand" bei mir jetzt nicht alle Zäune der Euphorie hat einreißen können, klang ja bereits im letzten Seriencheck an. Die Kritikpunkte von damals gelten natürlich heute noch. Zusätzlich muss ich nach Sichtung aller Episoden festhalten, dass die Schauspieler mit ihrer Darstellung zum Großteil nicht hängenbleiben, ja einige mir gar den Spaß an der eigentlich unverwüstlichen Vorlage verleidet haben. Positiv gefielen mir Brad William Henke als Tom Cullen, auch Owen Teague spielt seine Rolle als Harold Lauder passend unangenehm (auch wenn viele sich einen unansehnlicheren Schauspieler gewünscht hätten), Ezra Miller als Trashcan Man passt schon und Whoopi Goldberg hatten wir wohl alle als Mother Abagail im Kopf. Ausfälle sind in meinen Augen Ned Wolff als Lloyd Henreid (weil schwer nervig) und ja, leider Alexander Skarsgard als Randall Flagg, dem mir einfach das Diabolisch-Böse abgeht.

Ihren traurigen Höhepunkt findet in dem Finale der achten Folge (der Abschluss danach ist Epilog, der eine Story aus dem Buch behandelt und mir wiederum mit am besten gefiel): Hier liefern oben genannte Charaktere meme-würdige Szenen ab, bei denen ich mir schamvoll die Hand vors Gesicht halten musste. Wertung: 3,0 Punkte. Überhaupt sollte der gute Stephen King dem dafür Verantwortlichen seine dickste Schwarte einmal quer von Backen zu Backen ziehen.

Fazit: Die literarische Vorlage hat genug starke Momente, die auch in dieser Neuauflage zünden und die Show vor einem Debakel retten. Insgesamt aber schon enttäuschend. Fans können reinschauen, der Rest schmökert lieber das Buch durch. 

GESAMTWERTUNG: 4,55 Punkte (befriedigend -)

Kommentare

  1. Joah, das gibt wohl mal eine Nullrunde für mich, sprich davon reizt mich gar nix. Was auch gut ist, denn mangels Disney+ und Apple+ wäre das auch ne magere Ausbeute... ;)

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    1. Ist leider wahrlich nicht viel los aktuell, ich habe sogar schon mit meiner Gesamtbox von "Banshee" angefangen (für mich bisher das eher unsympathischere Pendant zu "Justified") und werde in nächster Zeit ein paar liegengebliebene Staffeln nachholen.

      In "Magnus Trolljäger" kann man aber ruhig mal reinschauen, wenn einem der Humor zusagt und man nochmal etwas zum Schmunzeln sehen will.

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