Seriencheck (148)

Eigentlich sollten in diesen Seriencheck noch die fünfte und letzte Staffel von "The Bear" sowie "Spiderman Noir" mit Nicolas Cage. Zu beiden bin ich noch nicht gekommen, beide werde ich entsprechend nachholen. Davon ab gab es aber ein paar schöne Neuzugänge und wer bei Star Trek gerne leidet, wird ebenfalls wieder ordentlich bedient (*Alt-Trekkie-Seufzer*). 

WIDOW'S BAY (Season 1)

 

Tom Loftis (Matthew Rhys, The Americans) ist Bürgermeister von Widow's Bay in New England und hat ein Ziel: die Erschließung seiner beschaulichen Inselgemeinde durch den Tourismus mit all seinen schönen Folgen wie Prosperität, Geldfluss und frischem Kapital. Der Start in die Moderne wird allerdings von der Bevölkerung kritisch gesehen, allen voran dem stets mürrischen Wyck (Stephen Root, Barry), nach dessen Einschätzung die Insel verflucht, von Geistern besetzt und insofern wenig gastfreundlich ist. Pünktlich zum Besuch eines Reporters der New York Times zieht schwerer Nebel auf, ein Fischer verschwindet spurlos - stimmen die zahlreichen Gruselgeschichten etwa doch?

Die erste Folge erinnerte mich umgehend an den Carpenter-Klassiker "The Fog - Nebel des Grauens", nur halt mit witzigen Momenten. Für die die Serie übrigens steht, nicht zuletzt dank der überragenden schauspielerischen Leistung von Matthew Rhys, der sich mit seiner Assistentin Patricia (Kate O'Flynn) und oben erwähntem Wyck in zahlreichen dramatischen, aber eben auch komischen Situationen wiederfindet. Mir gefiel diese humorvolle Note, die immer wieder durch die schaurigen Ereignisse durchschimmerte. Weiter und tiefer verstricken sich unsere Helden in die gar fürchterlichen Geheimnisse der Insel, wie einem erneut auftauchenden Serienmörder oder dem  unheilvollen Bund des Gründers der Siedlung (der von einem Darsteller gespielt wird, über den ich mich herzlich gefreut habe). 
 

"Widow's Bay" wusste sich in meiner Gunst von Folge zu Folge zu steigern, der Gruselfaktor nimmt immer mehr zu und am Ende wird ein großes Geheimnis gelüftet - welches Auswirkungen auf die bereits gesicherte zweite Staffel haben dürfte. Auf meinem Wertungszettel stehen nur 5 bzw. 5,5 Punkte, dennoch reicht es nicht ganz für das "sehr gut" in der Endabrechnung, weil...


... ich die Jugendlichen in der Serie (der Sohn von Loftis und seine Clique) einfach nur furchtbar fand. Wirklich in jeder Szene. Ich hätte die gerne alle in Hausarrest gesteckt und keine Kamera mehr draufgehalten. Hoffentlich kriegen die in der Fortsetzung bessere Dinge zu tun und zu sagen. Aber vielleicht sind sie für andere Zuschauer das unterschätzte Highlight. So oder so bleibt "Widow's Bay" eine klare Empfehlung im Apple TV-Portfolio.


GESAMTWERTUNG: 5,40 Punkte (gut+) 

LIFE, LARRY AND THE PURSUIT OF UNHAPPINESS: AN ALMOST HISTORY OF AMERICA



Langer Name, kurze Serie. In sieben Episoden wird zum Anlass des 250. Geburtstags der USA Larry David durch berühmte geschichtliche Ereignisse Amerikas gejagt. Dabei ist Larry immer der Larry, wie man ihn aus "Curb Your Enthusiasm" kennt: unnachgiebig ,nervig, besserwisserisch, kann nichts auf sich beruhen lassen, auf Krawall gebürstet. Aber in der Form eben auch unterhaltsam, weil eine echte Type.

Die Qualität der Sketche variiert und ist auch von Larrys zahlreichen Mitspielern abhängig. Wenn ich das Highlight und den Abgrund anführen darf: Beim Zusammentreffen mit Jerry Seinfeld etwa hatte ich eine richtig gute Zeit, während J.B. Smoove (wie schon in der Serie) wirklich mit keinem Gag mein Humorzentrum zu treffen wusste. Mir ging es zudem so, dass ich in den ersten beiden Episoden sehr angetan war, mit fortschreitenden Folgen aber wurde mir das Schtick des alten Griesgrams zu vorhersehbar und langweilig. Zumal man so manches  Diskussionsthema aus "Curb" wiederverwendet hat. 

Ein bisschen Auflockerung findet sich, wenn die aktuelle Regierung mit kleinen Seitenhieben bedacht wird, allerdings hätte das von mir aus noch durchaus schärfer kommen können. Aber die Produktionsfirma ist halt die von Barack Obama und der ist zu nett und um Ausgleich bemüht, statt draufzuhauen. Wobei man hinzufügen darf, dass #44 eine mehr als gute Figur im Abschluss-Sketch macht. 

Insgesamt für Fans von Larry David eine Serie, die in Ordnung geht. Kann man machen. Oder wie ein IMDB-Kommentator schrieb: 

As one of Larry's characters would probably say if asked "it's good, it's okay, it's fine. A little over written. The sketches are .. a little long. Meh" 

GESAMTWERTUNG: 4,64 Punkte (befriedigend) 

 

HOUSE OF THE DRAGON (Season 3)

 

War das wieder eine Arbeit, in das kuddelmuddelige Beziehungsgeflecht von "House of the Dragon" reinzukommen. Dagegen war "A Knight of the Seven Kingdoms" mit seinen gerade mal zwei Hauptfiguren geradezu wohlig simpel. 

Ich habe mir das Ganze grob so erarbeitet: Zwei Fraktionen, hier die Thronbesetzerin Alicent (von den Hightowers, brünett), dort die Throneroberungskandidatin Rhaenyra (original Targaryen, schlohweiß). Letztere klar am Gewinnen, unterstützt von einer klaren Übermacht an Drachen und Gemahl Daemon, dem Typen, der Prinz Philipp in "The Crown" gespielt hat. Die haben auch noch den coolen schwarzen Bruder mit den weißen Dreadlocks und seine Bastardsöhne.  

Auf der anderen Seite: der Dürre mit der Augenklappe (Aemond), König Angekokelt (Aegon), Lord Fußmaladie (Larys) und der immerschnieke ex-Königinnenbumser (Ser Criston). Den reichlichen Rest musste ich von Auftauchen zu Auftauchen neu einordnen. Jede Szene begleiteten entsprechend die Fragen: "Wo sind wir?", "Wer sind die jetzt schon wieder?", "Was machen die?" und "Auf welcher Seite stehen die?". War wirklich nicht immer einfach. Zumal die Serie in den gerade mal acht Episoden wirklich jedem Nebencharakter, den man zuvor dezent hätte absägen können, seine Dialogzeilen schenkt. Und die Orte? Einigermaßen noch überschaubar, hätten gerne weniger sein können (The Vale), aber auch hier eine Einordnungshilfe: Harrenhal ist immer langweilig, da verdorrte schon Daemon in der letzten Staffel und diesmal Aemond. Wie war es sonst? 

Zunächst einmal ein epischer Auftakt mit krachendem Schlachtgetümmel, dafür musste a) die Höchstwertung her und b) lohnte sich die mühselig frickelige Parteieneinordnungsarbeit. Neue Machtverhältnisse werden etabliert und mit dem fiesen Hightower-Onkel Ormund ein neuer Gegenspieler eingeführt. Vor dem Finale wird Gas vom Drachenfuß genommen, das kennt man ja und schließlich wieder royal inzeniertes Gekloppe vom Feinsten mit ordentlich Charakterdezimierung. Selbstverständlich ist dann nicht alles durch, durch eine mehr als glückliche Fügung steht für Staffel 4 wieder mindestens ein Thronkandidat bereit. 

Jau, hat mir wieder Spaß gemacht. Die Serie schafft es immer, mich zu kriegen, selbst wenn das Reinfinden schwer ist und es Momente gibt, in denen die Dialoge und Ausflüge nach Burg Harrenhal einen ermüden. Einen Kracher hat sie immer noch in der Hinterhand, die Schlachten hauen kompromisslos gut rein. Und sie kann (anders als die Hauptserie) weiterhin auf ein befriedigendes Ende hinauslaufen. 

GESAMTWERTUNG: 5,32 Punkte (gut) 
 

Reingeschaut  

STAR TREK: STRANGE NEW WORLDS (Season 4)

 

Ich habe keine Angst mehr vor den Tagen, an denen eine neue Folge "Strange New Worlds" erscheint. Weshalb auch? Die Macher schert es mittlerweile einen feuchten Photonentorpedoausstoß, wie die Show ankommt. Dem schließe ich mich einfach an und "genieße", was sie jetzt wieder für einen Star Trek-untypischen Mumpitz losgelassen haben.   

Die Originalserie entdeckte fremde, neue Welten. "The Next Generation" führte CGI ein und einen Androiden an Bord. "Deep Space Nine" zeigte das Leben auf einer Raumstation während eines Krieges. "Voyager" stieß soweit in den Weiten des Weltalls, dass sie nicht mehr zurückfand. "Enterprise" setzte so sehr auf Nummer sicher, dass ich mich an kaum etwas mehr erinnern kann. Die Michael Burnham Show "Discovery" zeigte, wie man eine Serie zugrunde richtet, wenn man einen Charakter in den Mittelpunkt stellt, der den Zuschauer ab Staffel 3 schon nervte. Und "Strange New Worlds"? Spielt in S4E03 "The Hangover" nach. Ja, die Filmreihe und wahrscheinlich waren sich alle Beteiligten einig, dass diese Episode brüllend komisch war. So wie ja schon die Vulkanier-Gagexplosion in der letzten Season. Mein Captain Anson Mount muss langsam aufpassen, dass sein Charakter nicht zur Witzfigur wird. 

Puh. Was gab es sonst die ersten vier Episoden? Einmal Dinosaurier, was wohl für viele Fans die Frage beantwortet, wie ein Star Trek-Außenteam mit den Viechern zurechtkommen würde. Ich gehöre ja nicht zu dieser Fan-Zielgruppe. "Event Horizon" wird in der zweiten Folge kredenzt, dezent peinlich und mit unpassenden Gore-Spitzen. Schließlich eine einigermaßen befriedigende Film Noir-Huldigung in stilechtem Schwarz-Weiß auf einem von Klingon besetzten Planeten. Insgesamt nichts, wofür ich die alte, treue Star Trek-Gemeinde aus dem Koma klingeln würde Nun steht die Folge an, in der alle außer Spock Handpuppen sind. Meine Erwartung liegt bei knapp einer Promille Warpgeschwindigkeit.  

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 3,87 Punkte (unterdurchschnittlich) 

STUART FAILS TO SAVE THE UNIVERSE (Season 1)


 

Ich habe es hier drinnen mehrfach zart anklingen lassen: Die letzten "The Big Bang Theory"-Staffeln fand ich schlechthin furchtbar. Weshalb mich die Ankündigung eines Spin-Offs mit Comicladen-Besitzer Stuart Bloom anfangs ziemlich kalt ließ. Bis der erste Trailer erschien und sich das Setting doch deutlich anders entpuppte als gedacht.

Stuart (Kevin Sussman) lebt nämlich mit seinem Kumpel Bert (Brian Posehn) in einer Zeit nach der Apokalypse - wahrscheinlich eine Allegorie auf das Ende von BBT - und der Alltag gestaltet sich generell unschön mit Riesenkakerlaken, Not, Elend oder diskutierenden Nerds im Comicladen. Nach einem Besuch durch sein Zukunfts-Ich erfährt Stuart, wie er eine bessere Zeitlinie etablieren kann: Einfach ein Quantum-Intereferenzgerät reparieren, das Sheldon, Lennard und Howard gebaut haben.

Weitere Tipps erhält unser sanftstimmiger Held von Raj (Kunal Nayyar), der als erster Star der Originalserie vorbeischaut. Natürlich geht einiges schief und unser Duo hüpft fortan gemeinsam mit Barry "The R is the enemy" Kripke (John Ross Bowie) und angehimmelter Herzensdame Denis (Lauren Lapkus) durch Raum um Zeit, um titelgebend das jeweilige Universum nicht zu retten.

Die Show hatte für mich von Beginn an diesen sympathisch-nerdigen Vibe, vom Vorspann-Gag über die popkulturellen Referenzen, den absurden Situationen hin zu den CGI-Knallerbsen - alles grundehrlich von Geeks für Geeks gemacht und eben nicht wie damals im Original von Darstellern, die ihren Text aufsagten, dessen Humor sie wahrscheinlich gar nicht verstanden haben. Das hier kam rüber, als hätte man ein paar Typen ordentlich Kohle gegeben, um ihre Fantasie von einer modernen Nerd-Show zu realisieren.   

Vier Folgen sind durch, den ersten beiden gab ich noch zögernde 4,5 Punkte, aber die Episode mit der magischen Welt hat mich richtig überzeugt. Jede Folge ein neues Universum nicht zu retten, bietet einiges an Möglichkeiten und die Gaststarauftritte waren bisher auch förderlich und nicht nervig. Eine zweite Staffel wurde jüngst bestätigt und ich gucke mir das mittlerweile mit einem gewissen Maß an Wohlwollen an, was sich die Leutchen einfallen lassen.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 4,75 Punkte (befriedigend) 

 

FUTURAMA (Season 14) 



Alarming news, everyone: Dies könnte wirklich die allerletzte Futurama-Staffel sein. Schließlich trägt ihre letzte Episode den Titel "Final Ending: The Last Conclusion". Insofern werde ich diese 10 Folgen genießen, zumal die Abenteuer der "Planet Express"-Crew die letzte Zeichentrickserie auf meiner Guckliste ist, die die Simpsons herausfordert (Rick and Morty gucke ich nur noch sporadisch).

Meine Lieblingsepisode unter den ersten vier: ganz klar "Our Flag Means Medical Coverage" mit Piratenthema, Zap Brannigan und Kif. "Beef" zum Auftakt mit dem liebenswerten Beziehungsgeflecht aus im Labor gezüchteten Fleisch und Wurstwettessen hatte auch viel Schönes. Die restlichen Folgen befriedigend, aber nie langweilig. Läuft also wieder recht stabil bei Fry, Bender, Leela und dem Rest der Besatzung.

DURCHSCHNITTSWERTUNG NACH VIER EPISODEN: 4,92 Punkte (befriedigend +) 

Kommentare

  1. Ohje, einmal ein Seriencheck, zu dem ich so gar nichts sagen kann. Immerhin habe ich von den meisten Serien schön gehört, u.a. auch "Widow's Bay". Die kommt auf meine Irgendwann-abonniere-ich-für-ein-Jahr-Apple-und-schau-es-leer-Liste.

    Bei Larry muss ich daran denken, dass ich immer noch die größtenteils ungesehene CYE-Box bei mir herumstehen habe... sollte ich mal weiter rewatchen bzw. nachholen.

    AntwortenLöschen
  2. "House of the Dragon" ist, so meine ich, auf fünf Staffeln angelegt. Die Show lege ich dir ans Herz, wenn du gerne mal eine schick groß angelegte Schlacht siehst. Dann kannst du auch meinen bewährten Gesichtereinordnungsratgeber zu Rate ziehen ;)
    Stand jetzt kann ich mir nicht vorstellen, dass sie das Finale in den Sand setzen; wenn doch, gebe ich Warnung.

    Von Larry könnte ich mir auch nochmal ein paar alte Staffel anschauen, "Curb" ist ja schon wunderbar zeitlose Peinlichkeit eines alten Mannes. Da steuere ich wohl auch langsam hin.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der charmante TV-Serien-Diskussionsthread

Inishmores Blick auf die Welt wird 2 Jahre alt

Seriencheck: STAR TREK - STRANGE NEW WORLDS SEASON 2