Der untaugliche Brillenerwerbsversuch

Neulich wollte ich mir tatsächlich eine Brille anfertigen lassen. Dazu muss man wissen: alles, was in unmittelbarer Nähe um mich herumschwirrt, sehe ich zu 100 %. Fernsichtmäßig liegt dagegen einiges im Argen, was so erregend schöne Momente erzeugt wie jene, wenn ich den Namen der Autobahnausfahrt erst dann mit Sicherheit verinnerlicht habe, wenn ich diese von der linken Fahrspur aus nicht mehr unfallfrei erreichen kann. Oder ich beim Einordnen vor einer Ampel im Stadtverkehr erst beim Halten an der Stopplinie weiss, dass ich mein eigentliches Fahrtziel sogleich weitbogig umfahren werde.

Flugs also ohne Umschweife den nahegelegensten Optiker im Jubiläums-Sonderangebots-Rausch anvisiert und mein Anliegen vorgetragen. Fragt der mich doch glatt, wann ich das letzte Mal beim Augenarzt war.

Augenarzt ? Wasndas ? Jahrelange, schwere Karottenabhängigkeit in frühester Jugend und knallhartes Training im Lesen von Kleingedrucktem machen Arztbesuche doch obsolet. Ja, da müsste ich schon vorher zum Augenarzt, um sicher zu gehen. Unter dem Hinweis, dass ich das Risiko auf mich nehmen würde, durfte ich dann doch zum Sehtest.

Und da packte der Kerl aus; haut mir einen projizierten Buchstabensalat um die Ohren, gegen dessen Größe ein Fliegenschiss wie ein Monumentalbauwerk aussieht. Ich gebe mein Bestes, scheitere aber an der zweiten Reihe.

"Och, da müssen sie wirklich zum Augenarzt, das können wir hier gar nicht mehr einstellen". Ich spüre die Häme in der Stimme; da war einer froh, dass ich nicht triumphal-penibel die billigsten Gläser mit der billigsten Fassung einheimsen und obendrauf noch einen liebevoll ausgedruckten 10 Euro-Einkaufsgutschein auf die Theke knallen konnte.

So bleibe ich weiter unbebrillt, denn zum Augenarzt humpele ich erst, wenn mir die Leute schon junge Blindenhunde nachwerfen wollen.

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