Review: Urban Priol "Tür zu", Saarlandhalle, Saarbrücken


Der babbelnde Bayer mit der Starkstromfrisur beehrte die Saarlandhalle und wies dem Publikum gleich zu Beginn das große Dilemma seiner Herkunft auf. Als Unterfranke wäre er schließlich eingekesselt zwischen dem Freistaat im Süden, dessen aktuellen Ministerpräsidenten niemand gewählt und dem Bembelland im Westen, dessen aktuellen Ministerpräsidenten niemand gewollt hatte. Da kann man aber auch wirklich knieselig werden.

Natürlich ist Urban Priol am stärksten, wenn er sich die kompetenzbefreite Politikerschar vorknöpft. In der Folge wird daher stocksteif geköhlert, westerwellig über die Bühne gehoppst, nasal pofallat, glosig nicht durchgeblickt oder kurzzeitig sogar "der Dicke" wieder aus dem Schwarzkohl(en)keller hervorgeholt. Wer desöfteren in Neues aus der Anstalt reinschaut, weiß zudem, dass Angela Merkel (liebevoll "das Ostgesteck" genannt), besondere Aufmerksamkeit zuteil wird. Unermüdlich kämpft der wackere Aschaffenburger gegen den Wall aus ahnungslosen Mitbürgern an, die die Arbeit der Regierung durchweg schlecht, die der Kanzlerin hingegen zufriedenstellend finden. Wer einmal seine Parodie auf Merkelsche substanzlose Satzkonstruktionen erlebt und dann das Original damit verglichen hat, wird wie Priol auch händeringend auf den Moment warten, an dem ein Journalist in einer Pressekonferenz trocken, aber herzlich ein "OOOOCH, MÄÄDSCHE. VERZÄHL'S DE WAND!" hineinruft.

In dem gut zweidreiviertelstündigen Programm zeigt der traditionell mit (alkoholfreiem) Weizenbier bewaffnete Kabarettist aber auch Einblicke jenseits deutscher politischer Abseitigkeit. Bankenkrise, die eigene Steuerprüfung, die US-Wahlnacht, Beziehungsstress oder James Bond-Filme werden aktuell und scharfzüngig zur allgemeinen Erheiterung kommentiert. Und wer die hohe Kunst der Verwaltungsverärgerung erlernen möchte, erhält wertvolle Tipps.

Insgesamt ein wunderbar unterhaltsamer Abend mit einem Künstler, dessen während der Show oft eingesetztes Handy übrigens noch altmodischer und klotziger ist als mein Mobilfunkempfänger. Diese Tatsache allein brachte ihm bei mir schon etliche Sympathiepunkte ein.

Die weiteren Tourneestationen lassen sich hier verfolgen.

[P.S.: Wenn es etwas zu meckern gab, dann die Tatsache, dass mir die Vorgruppe nicht gefallen hat. Eine halbe Stunde James Blunt vom Band. Da hätte Urban als bekennender Xavier Naidoo-Verschmäher mit Sicherheit aber auch gelitten]

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