Ode an den unbekannten Anrufer

Zum Monatsende ein besinnliches Gedicht, gewidmet den lieben Menschen, die unter der Kennung "Unbekannter Anrufer" den Kontakt zu mir suchen, wenn ich nicht zuhause bin:

Oh Callcenterfrau, oh Callcentermann,
Warum nur, warum nur rufst du mich an?
Ich will nichts von dir, du willst nichts von mir,
Doch dein Boss sagt nur streng: "Ich bezahl dich dafür".

Nun wirst du verwegen, willst mit Charme mich erlegen
Und doch noch zu einer Bestellung bewegen.
Leider kommt hier der Twist, denn ich bin halt Jurist
Und kenne die Widerrufsfrist.

Das Risiko wär für mich dann ja keines,
Zur Belohnung ordern wir jetzt was Feines
Sagst du jovial,
Doch du irrst dich fatal.

Denn soll beim Vertrag es eben nicht bleiben,
Muss der Widerruf zugeh'n, da hilft nur Einschreiben.
Am besten mit Rückschein,
Soll es ganz perfekt sein.

Das kostet mich vierhundertvierzig Cent,
Zuviel für jemanden, den man kaum kennt.
Drum Callcenterfrau, drum Callcentermann,
Ruf bitte jemand anderen an.

Kommentare

  1. Sehr schön.

    Und wie gerufen klingelt während der Lektüre der Kollege aus der Klinkenputzerabteilung ...

    AntwortenLöschen
  2. Für diese heimeligen Momente im Leben habe ich dieses Stück Pösie geradewegs erdacht. Ist doch viel lieblicher als "komm hau ab du Nerv".

    AntwortenLöschen
  3. ini der poet..
    mach ma vorsichtig, sonst bekommste noch nen pulitzer.....
    habnen neuen post.. wolltest du doch bescheid wissen....

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Spieltagslyrik: Hummels

Spieltagslyrik: Herzlos forte