CD des Monats: ALKALINE TRIO - Agony & Irony

Darf man das Alkaline Trio eigentlich noch gut finden?
Der melancholische Pop-Punk des Dreiers ist mittlerweile bei einem Majorlabel gelandet, die Band hatte einen Auftritt in einer ekligen MTV-Reality-Püppchenshow, dreht teuer aussehende Videos, es gibt keine kostenlosen Downloads der Singles mehr und natürlich war früher alles besser, als noch niemand die Jungs aus Chicago kannte.

Mir alles schnuppe, solange die Musik ordentlich ist. Und das ist sie immer noch. Natürlich fehlen die schnellen, hingerotzten Nummern, dafür kann man die Limited Edition mit 1 Bonussong und 5 Akustikversionen (vier aus dem Album plus dem Klassiker "Maybe I'll Catch Fire") erstehen. Der Preis des Kommerzes?

Das Songmaterial ist weiterhin eingängig und simpel, die Texte gewohnt fernab von Freude und Hoffnung, der Gesang von Gitarrist Skiba bzw. Bassist Andriano angenehm. Braucht es mehr? Nö, schließlich ist es Punk und damit die Musikrichtung, in der man nicht zwanghaft neue Trademarks setzen, sondern die alten Stärken präsentieren muss. Oder erwartet hierzulande jemand von den Ärzten oder den Toten Hosen, dass sie ihren Stil über den Haufen werfen und ein progressives Konzeptalbum einspielen? Eben.

Der Opener "Calling All Skeletons" wartet schon direkt nach dem Einstieg mit feschen hand claps auf, was den ersten Altfan zielsicher in die Gruft zurücktreiben dürfte (für mich hingegen bleibt Klatschen mein non-instrumentaler Lieblingstrademark in Rocksongs), die erste Single "Help Me" löst mit seinem Refrain wohl auch im stacheligsten Punkrocker Beschützerreflexe aus und mit "Live Young, Die Fast", "Over And Out" oder "Love Love, Kiss Kiss" setzt es eine schön dunkle Schippe Weltschmerz in den emotionalen Kohlenschacht.

Mal wieder zum Verzweifeln gut.

Zur offiziellen Webseite mit Reinhörmöglichkeit in alle Songs geht es hier.

Kommentare

  1. Gnah, jetzt hat sich ein Ohrwurm im Gehörgang festgesaugt! "Over And Out"

    AntwortenLöschen
  2. Uiuiui, ausgerechnet der Ichmachmichtot-Song (unter den Lyrics steht die Nummer des National Hopeline Networks). Durchatmen.
    Das Leben kann auch sehr schön sein.
    Ich will keinen Stammleser verlieren.

    AntwortenLöschen
  3. Doch ja, hört sich wirklich sehr gut an, das gesamte Album und Over and Out in der Akustikversion könnte ein Kandidat für meine Lieblingsliedliste sein!

    AntwortenLöschen
  4. Keine Angst, ich habe schon mit 15 oder so meine Deprimusik-Schutzimpfungen erhalten ;-).

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Drehbuchidee

Weihnachtsnachklapp 2016