In der Arena


[Vorsorglicher Hinweis zu dem folgenden Eintrag:

1) Mir ist bewusst, dass Schalke gegen Gladbach nur unentschieden gespielt hat.
2) Nein, ich konnte nichts dafür und weise jede Schuld von mir. Wer dennoch einen Zusammenhang zwischen meiner Anwesenheit und dem Ergebnis gefunden haben will, möge diesen um Gottes willen für sich behalten.

3) Entsprechend will ich folgende (ähnliche, identische oder inhaltsgleiche), eventuell bereits in Gedanken vorformulierte und nur noch die Existenz dieses Eintrags abwartende Kommentare NICHT lesen:

"Haha, nur unentschieden",
"Fahr öfter mal nach Gelsenkirchen, damit sich Schalke nächste Saison international schonen kann",
"Die Knappen waren wegen deiner Anwesenheit im Stadion wohl verkrampft, bleib in Zukunft besser weg",
"Bist wohl mit deinen Anweisungen nicht zu den Spielern durchgedrungen, hähä ? Das kommt davon, wenn man nicht mal das elementare Otto-Rehhagel-Gedenkdröhnpfeifen auf dem kleinen Finger beherrscht !"


Danke für Ihre Aufmerksamkeit !]

Ohne Frage, es war ein Erlebnis, einmal Deutschlands schönste Turnhalle von innen gesehen zu haben. Dass ich diesen Begriff verwende, ist dabei nicht abwertend gemeint - in den Zusammenfassungen im Fernsehen spürt man jedoch den Hallencharakter nicht, der mich beim ersten Blick aufs Spielfeld zu folgendem Gedanken verleitete:

"Hilfe, ich bin wieder 16, wo sind die Basketballkörbe hingekommen, weshalb ist der Bodenbelag grün, hoffentlich machen wir heute kein Zirkeltraining."

Aber diese Aufregung (inklusive Einblick in meine schlimmsten Schulzeitretro-Albträume) legte sich, nachdem ich die Atmosphäre eingeatmet und ein paar Minuten entspannt auf den riesigen Videowürfel geschaut hatte.

Von meinem Platz aus (Oberrang, Block 53) hatte ich einen hervorragenden Blick auf das Geschehen, man thronte quasi über den unten herumwuselnden Spielern. Wären nicht ein paar tausend Menschen um mich herum gewesen, ich hätte mir eine Toga umgeschmissen, mich erhoben und feierlich Sätze wie "lasset die Spiele beginnen", "nun gehet hin und sieget" oder "alle Günstlinge der Gladbacher wird mein heiliger Zorn treffen" intoniert.

Überhaupt landete ich in einem seltsam gemischten Block. Beim 0:1 sprangen gefühlte Dreiviertel der Anwesenden auf und jubelten, während ich mit dem unverdienten Schicksal haderte. Beim Ausgleich wiederum stand dann der ganze Block Kopf - erschien mir irgendwie inkonsequent. So konnte ich niemanden hämisch angrinsen und das baldige Führungstor ankündigen.

Mein schönstes Erlebnis war aber, als ich nach dem Treffer der Gladbacher bei jedem ansatzweise gefährlich wirkenden Angriff der Knappen die Stimme eines kleinen Jungen aus dem Tumult heraushörte, der aus voller Kehle "awwei awwer" (saarländisch für: "jetzt aber") schrie. Da wusste ich: das Saarland ist wirklich überall.

Was das Fernsehen niemals richtig rüberbringen wird (und da kann sich Kofler-Schorsch von Premiere noch so sehr anstrengen und die Abo-Preise erhöhen), ist diese innere Gespanntheit, das kollektive Ansetzen zum Sprung, wenn eine Flanke wie beim Ausgleich durch die Abwehrreihen segelt und sich die Zeit geradezu zu verlangsamen scheint, bis sich das goldene Köpfchen von Ebbe Sand dem Ball entgegenreckt und ihn ins gegnerische Tor bugsiert.

Am Ende konnte man sich mit dem Unentschieden arrangieren, obwohl ich schon mit einem knappen Kantersieg zufrieden gewesen wäre. Schließlich wollen wir die Bayern ja in Sicherheit wiegen und den Rest der Konkurrenz nicht direkt zur Untätigkeit verdammen.

Zum Schluss noch ein paar Eindrücke in Kurzform:

- der Gelsenkirchener Bahnhof wird gerade umgebaut, dementsprechend wohlig sieht es dort aus. Und ja, ich bin eine Ewigkeit herumgeirrt, bis ich den S-Bahnhof gefunden habe.

- kein einziger Fanshop (auch nicht der offizielle im Gebäude der Geschäftsstelle) führt den offiziellen Autogrammkartensatz der aktuellen Saison im Angebot. Einleuchtende Begründung: "weil wir den niemals da ham" - bäh.

- Rafinha hätte treffen und der Schiri das Foul an Larsen pfeifen müssen.

- wer einmal im Anschluss an das Spiel mit den nach Hause drängenden Zuschauern in die S-Bahn Richtung Bahnhof gestiegen ist, dem ist nichts Menschliches mehr fremd. Oft gehörter Satz von Menschen, die an den gegenüberliegenden Einstieg gepresst wurden: "hey, die S-Bahn hört hier auf !"

- die Fahrer besagter S-Bahn-Linie gehören seit gestern zu der Kategorie von Menschen, die ich ohne Wenn und Aber bewundere.

- Gänsehautfeeling, wenn am Gelsenkircher Bahnhof die Fans sich über die Gleise hinweg abwechselnd ein SCHALKE - NULLVIER entgegenbrüllen.

Fazit:

Blau und Weiß, wie lieb ich Dich
Blau und Weiß, verlass mich nicht
Blau und Weiß ist ja der Himmel nur
Blau und Weiß ist unsere Fußballgarnitur
Hätten wir ein Königreich
Machten wir es den Schalkern gleich
Alle Mädchen, die so jung und schön
Müssten alle Blau und Weiß spazieren gehn
Mohammed war ein Prophet
Der vom Fußballspielen nichts versteht
Doch aus all der schönen Farbenpracht
Hat er sich das Blau und Weiße ausgedacht
Tausend Feuer in der Nacht
Haben uns das große Glück gebracht
Tausend Freunde, die zusammenstehn
Dann wird der FC Schalke niemals untergehn.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Drehbuchidee