CD des Monats: NEIL DIAMOND - 12 Songs

Was folgt logischerweise auf einen Bush-Kritiker mit krachigem Speed-Industrial-Metal und finnische Monster-Rocker, die den Eurovision Song Contest aufmischen? Klar, ein alter Mann mit Gitarre.

Hätte mir jemand vor ein paar Wochen erzählt, dass Neil Diamond mal die CD des Monats in meinem Blog stellen würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Dass es soweit gekommen ist, haben sich Zach Braff und Rick Rubin zuzuschreiben. Ersterer ließ im diesjährigen Finale von Scrubs als Ausklang den Ohrwurm "Delirious Love" ertönen, letzterer produzierte die Scheibe und entlockte wie schon im Falle des seligen Johnny Cash einem alten Recken musikalische Höchstleistungen. Das Rezept ist denkbar einfach: man nehme eine akustische Gitarre, eine gereifte, sonore Stimme, die unter die Haut geht und banne die durch Klavier und Geige dezent begleiteten, spartanischen Arrangements auf CD.

Ich kann es nicht verleugnen: der gute Neil, den ich bisher in die Schublade "oller Schmalzheinz" gesteckt hatte, hat meinen Geschmacksnerv getroffen. Ideale Musik für Fahrten bei nasskaltem Wetter oder um zu Hause im Warmen die Füße hochzulegen. Besonders hervorheben möchte ich den Song "Hell Yeah", eine Art Lebensrückblick im Stil von Frank Sinatras "My Way". Gerade die Zeilen

I hear you wondering out loud
Are you ever gonna make it?
Will you ever work it out?
Will you ever take a chance
And just believe you can?

Hell yeah you will
You're gonna be okay
And you might get lost
But then you'll find a way
Don't go alone
Can't be afraid
Hell yeah
This life is here and it's made for livin'
And love's a gift that's made for givin'
You give it all away and have it still
And Hell yeah you will

verschaffen mir in den Momenten der Ratlosigkeit immer wieder eine wohlige Gänsehaut, so wie es seinerzeit Johnny Cash mit seinem Nine Inch Nail-Cover "Hurt" tat. Die CD enthält übrigens nicht wie der Titel vermuten lässt, 12 Songs, sondern deren 14. Da kann man nun wirklich nicht meckern.

Nächstes Projekt von Mr. Rubin: u.a. die neue Metallica. Wenn einer den Jungs endlich den legitimen Nachfolger des "Black Album" auf den Leib schneidern kann, dann ist es Rick. Ich bin guter Hoffnung. Bis dahin erfreue ich mich an den Nörgeleien meines Bruders, der jedes Lied von Mr. Diamond mit den Worten "Mach den jammernden alten Mann aus" kommentiert.

Kommentare

  1. Ich hab das Album auch, muss aber ehrlich zugeben, dass ich seit dieser einen Ally McBeal-Folge, wo sie Vater und SOhn gleichzeitig datet (wobei der Sohn Michael Vartan ist, schmacht) und der Vater für sie auf dem Klavier Neil-Diamond-Songs spielt, ohnehin ganz gern Neil Diamond höre. Manchmal braucht man ja auch ein bisschen Kitsch. Aber das hier, das hat schon ziemliche Klasse.

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  2. Die werte Doktorin zeichnet sich erneut durch untrügliche Geschmacks- und Stilsicherheit aus. Chapeau.

    Kitsch ist bei "12 Songs" kaum drin, auch wenn die eine Passage bei Evermore ein wenig dick rüberkommt. Aber Evermore liegt phonetisch nah an Inishmore, da verzeih ich das einfach.

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