Review: The Hooters live in Saarbrücken

Ich bin ein alter Sack.
Und wir alten Säcke hängen nun mal an den Bands, mit denen wir aufgewachsen sind. Die wir uns selbst aussuchten, ohne auf die Charts zu linsen oder sich an dem zu orientieren, was die anderen so hörten. Bei mir begann dieser Prozess Mitte der Achtziger mit der Live-LP "Slade On Stage" (wer meint, dass Slade nur Säuselballaden geschrieben haben, sollte sich diese Scheibe von 1982 mal zu Gemüte führen), es folgten die ganzen Iron Maiden und Judas Priest-Sachen dieser Dekade, die Pomp-Rocker Magnum und seltsamerweise... The Hooters.

Genau die spielten nun in Saarbrücken, um ihr neues Album "Time Stand Still" zu promoten. Die Vorband Hartmann eröffnete mit solidem, eingängigem Akustikgitarren-Rock, der mich ein wenig an Gotthard erinnerte - leider halt eben ohne elektrische Gitarren. Wer mich kennt, weiß, dass ohne Stromgitarre auf Dauer mein Wohlwollen nur begrenzt ist.

Die Garage war vielleicht zu zwei Dritteln gefüllt, was angesichts des folgenden Auftritts der Jungs aus Philadelphia eindeutig zu wenig war. Alt sind sie geworden, die Burschen, aber auch mit alten Tröten kann man erstklassige Musik machen, wie sich im Laufe der knapp 105 Minuten herausstellen sollte. Seltsamerweise startete die Band direkt mit zwei Nummern aus dem neuen Album ("I'm Alive" und "Time Stand Still"), welches erst in ein paar Monaten offiziell veröffentlicht wird und daher den Zuschauern unbekannt war. Dennoch merkte man den Mannen echte Spielfreude an, die von ordentlich druckvollem Sound untermalt wurde. Die Auswahl des ersten älteren Liedes, "Fighting On The Same Side", fand ich ungewöhnlich, da es für mich damals eher ein Füllersong war.

Langsam kamen dann doch die Klassiker, die wirklich alle mitsingen konnten: "Day By Day", "Johnny B.", "And We Danced", "Satellite", "All You Zombies", "500 Miles", "25 Hours A Day" oder "Karla With A K". Allesamt sehr schön heruntergerockt, wobei vor allem Eric Bazilians starkes Gitarrenspiel hervorstach. Ich habe keine Ahnung, wieviele Modelle sich der Kerl an dem Abend umgeschnallt hat, aber er entlockte jedem einzelnen großartige Soli. Vom neuen Album wurden gleich 7 Nummern zum Besten gegeben, die teils sehr rockig herüberkamen, vor allem David Uosikkinen an den Drums hatte an diesem Abend einen amtlichen Wumms verordnet bekommen. Abgerundet wurde die Setlist von den bekanntesten beiden Fremdarbeiten der kreativen Köpfe Bazillian und Hymes (der mich vom Gesicht her immer mehr an Ted Danson erinnert): "Time After Time" von Cyndi Lauper und "One Of Us" von Joan Osborne. Letztere wurde mit witzigen deutschen Lyrics gewürzt. Zum Schluss setzte es noch zwei Zugaben und ein letztes Medley, ehe die Band die Bühne endgültig verließ.

Insgesamt eine Show, mit der man rundum zufrieden sein konnte, denn die alten Herren rocken immer noch und sind als Live Act immer wieder das Geld für eine Eintrittskarte wert.

Einen Wermutstropfen muss ich allerdings doch einschenken: natürlich konnte man die neue CD vorab am Merchandise-Stand erstehen und natürlich habe ich die 15 Euro springen lassen. Das Hörerlebnis ist allerdings sehr ernüchternd: kein Druck in der Produktion, die Gitarren viel zu sehr nach hinten gemischt, ebenso die Drums. Die vor wenigen Stunden noch überzeugend abgelieferten Songs spülen weich und ohne Kanten an meinem Ohr vorbei. Ein Jammer. Die CD verbreitet leider den Altherren-Sound, an den die Hooters live zu keiner einzigen Sekunde ihres Auftrittes Befürchtungen aufkommen ließen. Wer die Band also von ihrer besten Seite erleben will, muss auf eines ihrer Konzerte gehen. Ich bin froh, es getan zu haben.

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