CD des Monats: SPIRITUAL BEGGARS - Mantra III

Der letzte Tag im Monat. Es geht nichts dran vorbei, ich muss wieder in meinem CD-Schrank kramen, weil kein aktuelles Album mich in letzter Zeit wunschlos glücklich gemacht hat. Diesmal trainieren wir in dieser kleinen Rubrik wie weiland im Kunstunterricht unsere Fähigkeiten der Bildinterpretation. Welche Art von Musik erwartet einen wohl bei einer Band, die ihre auf Datenträger gepressten musikalischen Ergüsse mit einem Cover wie jenem zur Linken bedeckt?

Wer jetzt auf Klassik, Volksmusik oder kirchlichen Choralgesang tippt, darf sich ein "Ungenügend" ab- und die Klasse wiederholen. Vielleicht hätte diese einleitende Textzeile aus dem Song Euphoria ("The sun is high - so am i") einen Hinweis geben können...

Die Spiritual Beggars aus Schweden mischen eine dicke Portion der frühen Black Sabbath und Deep Purple zusammen, rühren die Asche von Jimi Hendrix und Kyuss dazu, erhitzen das Gebräu im Steinkessel der Marke Heavyrock und schmieren das Resultat blutjungen Flowerpower-Girlies ins Haar.

Mastermind der Hardrock-Hippies ist Michael Amott, der früher für Carcass und aktuell für Arch Enemy die ganz harten Saiten aufzog bzw. an ihnen herumzerrt. Für dieses Projekt beschränkt er sich jedoch auf gemäßigtes Geschrubbe und lässt Keyboarder Per Widberg genug Raum für sein Mellotron- und Hammondorgelspiel, das einem Jon Lord die Tränen der Rührung in die Augen treiben müsste. Auf dem vorliegenden Album aus dem Jahr 1998 veredelt schließlich Sänger Spice die Produktion mit seiner wohltemperiert nach durchzechter Nacht klingenden Stimme.

Mantra III ist das dritte Album der Band, die heute weiterhin aktiv ist, wenn auch in anderer Besetzung. An die durchgehende Eingängigkeit, Knackigkeit und Frische des Sounds konnte sie jedoch leider nicht wieder hundertprozentig anknüpfen. Insgesamt also Musik, die sich zwar älter anhört als ich es selbst bin - aber dafür die Gehörgänge angenehm durchspült wie ein gut gelagerter Burgunder die Kehle.

Hörprobe: Euphoria

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