CD des Monats: 3 INCHES OF BLOOD - Here Waits Thy Doom



Nach der 0:1 Heimniederlage meiner Schalker gegen Freiburg war klar: ich muss wieder metalgestützte Schrei-Therapie machen, es gibt wieder eine CD des Monats. Meistens schreie ich dabei selbst gar nicht herum, sondern lasse schreien und zwar nach dem Motto "Wozu selbst aufregen, wenn das der nette Mann aus der HiFi-Anlage doch für mich tut?".

Freilich bin ich bei der Auswahl meiner Schreiassistenz ein wenig wählerisch. So bevorzuge ich ganz klar das gemeine Schrillen gegenüber dem dumpfen Würlen. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle eine Begriffsdefinition für alle des Schrillens und Würlens unkundigen Leser anbringen, schließlich habe ich mir diese beiden Begriffe gerade selbst ausgedacht.

Schrillen ist eine Mischung aus schrill und schreien. Hört sich an wie Rumpelstilzchen, das sich rostige Nägel in die Füße haut. Oder eben eine frisch kastrierte Krähe. Prominentester Vertreter: Rob Halford von Judas Priest.
Würlen hingegen bedeutet würgen und brüllen gleichzeitig. Hört sich nicht gesund an, ist selten melodisch einsetzbar und gefällt mir nur dann, wenn es richtig schön dämonisch aus tiefster Kehle rausgrollt und nicht amateurhaft verzweifelt herausgepresst wird.

3 Inches of Blood aus Kanada hatten bisher beides gleichberechtigt im Angebot und waren wegen meiner eindeutigen Präferenz lange Zeit unterhalb meines Radars geblieben. Mit dem neuen Album bekennt man sich allerdings mutig und eindeutig zum Schrillen und würlt nur noch handzahm und sporadisch. Geboten wird traditioneller Heavy Metal, durchsetzt mit ein paar Ausflügen in den Thrashbereich. Die Texte sind wie aus dem Manowar-Handbuch für peinliche Lyrics abgemalt und wahrscheinlich blind eingesungen worden, um nicht vor Kichern die Gesangslinie zu versauen. A propos blind: im Gegensatz zu früheren Alben wird deutlich weniger blind nach vorne geholzt, was der allgemeinen Abwechslung des Songmaterials zugute kommt.

Auch wenn nicht jeder der 11 Songs (darunter ein Instrumental) direkt zündet, helfen doch die schwungvollen Gitarrensoli so manche Lücke zu überbauen. Sofort ins True Metal-Herz geschlossen habe ich den grandiosen Opener "Battles And Brotherhood", den schnellen Brecher "Call of the Hammer", das schleppend-bluesige "Preacher's Daughter" mit seinem furiosen Ende sowie das hurtig davongaloppierende "Fierce Defender".

Insgesamt eine runde Sache für Freunde des klassisch geschliffenen Metalls, die den letzten Alben von Judas Priest, Iron Maiden und Manowar nicht mehr viel abgewinnen konnten und mit dem hochfrequentigen Gesang des Frontmanns Cam Pipes zurechtkommen. Als Hörbeispiel folgt "Battles And Brotherhood", anhand dessen man auch den nun zurückhaltenderen Vokalstil des Gitarristen Justin Hagberg gegenüber dem früheren zweiten Sänger Jamie Hooper einschätzen kann.

Bis zum nächsten Spiel meiner Schalker schaffe ich mir das ATTACK aus Minute 4:24 noch drauf, dann klappt's auch wieder mit drei Punkten.

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