Kiitos, Suomi. Super-hyvää, Lordi


Da mache ich zum allerersten Mal bei einem Telefonvoting mit und dann sowas:

LORDI GEWINNEN DEN EUROVISION SONG CONTEST

Ich hatte selten soviel Spaß und bin obendrauf verdammt stolz. Nicht nur, weil mein Anruf den Sieger mit ermittelt hat, sondern weil alle Rockmusikfans aus Europa sich zusammengetan und ihrer Stimme Ausdruck verliehen haben. Herrlich, wie sich die Experten jetzt die Köpfe kaputt schütteln. Ich könnte Sturzbäche lachen.

Fakt ist: Rock und Hard Rock haben ein riesiges Fanpotenzial, welches in den Jahrzehnten zuvor aber nie abgerufen worden war. Sind wir doch ehrlich, Gracia vom letzten Jahr, das war kein Rock, sondern biedere pseudorebellische deutsche Peinlichkeit.

Lordi hingegen lieferten aus meiner Sicht zwar nun nicht DIE Übernummer des Genres ab, aber man konnte sich als Fan härterer Klänge damit arrangieren. Und da ich Finnland eh klasse finde, war den Jungs und dem Mädel meine Stimme sicher. Zumal ich schon ziemlich früh hier über die Teilnahme der Monster made in Suomi berichtete.

Wenn ich jetzt höre, dass die Finnen aus Mitleid gewonnen haben, weil sie bisher immer so schlecht abgeschnitten haben - schlichtweg Nonsens. Eher haben sie Zuspruch von Leuten bekommen, denen die ganzen Hupfchoreografien, peinlichen Minirockbienchen und dezent heterosexuellfreien Tänzer einfach auf den Geist gingen.

Der Rest war das übliche Punktegeschiebe unter Nachbarn. Natürlich hatten die Finnen die Nordlichter geschlossen hinter sich. Ebenso klar rümpften sich die Franzosen und Monegassen ins Taschentüchlein und erlitten Migräneanfälle. Aber ein Beitrag, der die britische Moderatorin dazu animierte, bei Verkündung des Gewinners der "twelve points" die Pommesgabel zu zeigen, ist einfach ein würdiger Sieger.

Zu Texas Lightning: Olli Dittrich ist als Komiker klasse; Country der beschwingten Machart gibt es mir hingegen weniger und scheint auch in Europa nicht so recht anzukommen. Dafür haben sie wenigstens eine unaufdringliche und unpeinliche Leistung abgeliefert.

So, den Rest der Nacht lach ich mich jetzt noch weiter kaputt. Was die Finnen mit Sicherheit auch tun werden.

Kommentare

  1. Hi Michael,

    ich bekenne mich schuldig, nicht ständig an Dich zu denken...

    Anders am Tag des Grand Prix (oder wie auch immer das Ding jetzt richtig heißt).

    Musik (nennen wir es mal so) aus Finnland - da wurden doch glatt alte Exirius-Zeiten wachgerufen - logischerweise verbunden mit Deiner Person.

    Ich als Politfan bin aus ganz anderen Gründen begeistert über das Resultat:

    Es handelt sich im Demokratie pur!

    Millionen schauen unbeteiligt zu, einige wenige rufen an und die Stimmenmehrheit gewinnt.

    Wenn nun die Front der Hardrocker geschlossen anruft, hat sie halt die Mehrheit.

    Anders als bei unserer Politik - keine Koalition, kein Postengeschacher. Einfach Mehrheit (und das ganz ordentlich) - Sieg!

    Genial ist der Aufschrei der Bevölkerung: Gestern auf einer langen Fahrt alle möglichen regionalen Radiosender gehört, Hauptthema: Der Niedergang des Grand Prix oder so ähnlich, telefonisches Interview von Promis (Joy Flemming) und die Klage aller Anrufer, dass es abwärts geht mit der Kultur des Abendlandes.

    Ultra genial eine Frau (28 Jahre, bin also eher die jüngere Zuschauerin ...): Was da abgeht, gehört verboten, das ist doch keine Musik. Ich hab ja nicht angrufen...

    Tja, nicht angrufen (anders ausgedrückt: nicht gewählt) und sich dann über das Ergebnis ärgern!

    Zu geizig, eine Einheit zu vertelefonieren, sich dann aber als Hörer beklagen, da müsste doch der Bundestag was unternehmen...

    Ach nein, die sind ja durch das gleiche System an die Führung gekommen.

    Bis demnächst.

    Archie

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  2. Es ist betrüblich zu lesen, dass mein Gedankeninfiltrationswerkzeug namens Blog noch nicht so perfekt funktioniert, dass alle Leser permanent an mich denken müssen. Daran muss und werde ich noch arbeiten.

    Andererseits ist es erfreulich, dass sich die Beschallung mit finnischen Exquisitäten wenigstens bei einem Kursteilnehmer eingebrannt hat.

    Der Vergleich mit der Politik ist nicht von der Hand zu weisen, schließlich gibt es hier wie dort Gemauschel, das kein Wähler so richtig nachvollziehen kann (alles rundum den Balkan kennt eh keine Lieder mehr, nur noch Nachbarn).
    Einen Unterschied gibt es aber doch: die Politik wird es so schnell nicht schaffen, dass ich nach der Stimmabgabe und Endergebnis so satt und zufrieden in mich hineingrinse wie das bei Lordi der Fall war. Ich muss nur das Video sehen oder den Song hören, schon durchfährt mich diese wohlig warme Gefühl der Genugtuung.

    Den Aufschrei der Bevölkerung habe ich mit Genuss verfolgt, besonders Madame Flemming, die man eh nur noch zum Grand Prix ausgräbt, fand ich zum Kaputtlachen. Wie ein altes Volksmusik-Omachen, das gegen die "moderne Jazzmusik" wettert.
    Besonders peinlich: keiner der Grand-Prix-Experten hielt es für nötig, dem Sieger eine Gratulation zukommen zu lassen. Arm.

    Die Finnen werden nächstes Jahr wohl eine Death-Metal-Band auflaufen lassen, für deren Durchschnittsgeschmack ist Lordi nämlich eigentlicher eher Pop. Ich liebe dieses Land.

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  3. Ich hab den Grand Prix in der Kneipe gesehen. Eric der Wirt und ich waren die einzigen Anwesenden. Geschaut haben wir den Grand Prix und dazu gehört haben wir die in Erics Kneipe typische Rockmusik. Eine hervorragende und stellenweise irrsinnig komische Optik-Akustik Mischung gab das ab. Die Hupfdohlen hüpften zu Rammstein und Ossi Osbourne, einfach fantastisch.
    Angehört haben wir uns nur Texas Lightning und natürlich die Finnen Lordi.
    Beide fand ich klasse. Könnte aber auch am Fusel gelegen haben, es herrschte grosser Durst an diesem Abend.
    Naja, jedenfalls haben wir beschlossen ne Band zu gründen... glaub ich zumindest...

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