CD des Monats: DARK TRANQUILLITY - Fiction

"Onkel Ini, was ist eigentlich der Göteborg-Sound?" Nur eine der vielen Fragen, die mir die Jugend von heute nie stellt, die ich aber trotzdem gerne hier beantworte.

Nun, es waren einmal ein paar lustige Schweden, die spielten Death Metal. Der Sänger röchelte, der Trommler knüppelte, die Gitarristen und der Basser rissen an den Saiten. Da sagte jemand: "Ich bin mit der Gesamtsituation hier unzufrieden, lasst uns mal eine Portion Melodie aus Heavy Metal-, Gothic- und Industrialgefilden reinbringen".

Groß war die Aufregung!

"Ich will weiter röcheln", keifte der Sänger.
"Ich will weiter knüppeln", warf der Trommler ein.
"Könnt ihr ja machen, aber haut bitte nicht mehr den neuen Keyboarder", kam die beruhigende Antwort.

Und so entstand anständig aggressive Musik, an der sich das skandinavische Kuttenträgervolk fortan erfreute. Die Legende besagt auch, dass ein Blogger aus dem Saarland immer eine CD von Dark Tranquillity im Auto dabei hat, um Beifahrer im Speziellen und seine Umwelt im Allgemeinen zu verstören. Ende.

Dark Tranquillity haben mich noch nie enttäuscht, seit ich mit ihrem "Damage Done"-Album vor 5 Jahren auf den Geschmack gekommen bin. Auch anno 2007 setzen sie sich lässig gegen die hauseigene Konkurrenz von In Flames und Soilwork durch.

Rasend zuckende Gitarren, elektronische Spielereien, Klavier, ab und an sogar zur Ruhe kommende Drums und über allem das brüllende Gekeifere von Mikael Stanne - die ideale Musik, um auf dem Heimtrainer doch noch die anvisierte Kilometerzahl zu erreichen. Ein paar Blastbeats hätte sich Anders Jivarp verkneifen können, aber da will ich mal nicht so sein und dem Jungen seinen Spaß an der Felldrescherei gönnen.

Trotz der ganzen Aggressivität geht jedoch nie die Abwechslung verloren. "Blind At Heart" und "Nothing To No One" prügeln wild los, um später doch noch die Melodiekurve zu kratzen, "Terminus (Where Death Is Most Alive)" fährt mit Elektrosounds vor und "The Lesser Faith" gibt sich mit dem stark präsenten Klavier gothisch angehaucht. Auf "Misery's Crown" und "The Mundane And The Magic" schließlich darf gar wie in früheren Zeiten klarem Gesang gelauscht werden. Fazinierend, wie der Frontmann hier innerhalb von ein paar Takten vom Softie plötzlich zum Tier und wieder zurück mutiert.

Fazit: Dark Tranquillity haben bei mir weiterhin unangefochten den Melodic Death Metal-Thron inne. Vieles aus dieser Stilrichtung lässt mich zwar ziemlich kalt (Death Metal in Reinform erzeugt bei mir sogar Eiszapfen am Ohrläppchen), aber DT schaffen es immer wieder, mich zu überzeugen. Darauf ein kurz gegrunztes "OOR"!

Ich könnte jetzt auf das offizielle Video zur ersten Single "Focus Shift" verweisen, aber das ist von der Choreografie her ziemlich langweilig. Viel, viel passender ist das Fanvideo zu "Damage Done" mit wirklich hohem Schadensfaktor bei Mensch und Orkwesen.

Kommentare

  1. Hab ein bisschen ins Album reingehört, und es ist nicht schlecht was die einem da bieten, schon beim ersten Hören. Hut ab!

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