King Kong: Furios nach 50 Minuten

Komme gerade aus "King Kong". Insgesamt ein gelungener Film, aber das war ja zu erwarten. Meine Eindrücke in Kurzform:

- Die Chose fängt sehr ruhig an oder anders gesagt: ich habe einmal herzhaft gegähnt. Professionelle Kritiker würden jetzt Stichworte wie "gemächlicher Einstieg", "behutsame Skizzierung der Charaktere" oder "Ruhe vor dem Affensturm" einflechten. Ich sage: Papperlapapp ! Die Leute wollen das Pelzvieh sehen, das hat dem Streifen schließlich seinen Namen geliehen. Folglich hätte ich die ersten 50 Minuten mittels stylisher Texttafeln erzählt. Ungefähr so:

"N'Abend allerseits.
Wir schreiben die 30er Jahre, irgendwo vor Skull Island. Der olle Kutter im Bild heißt Venture und an Bord befindet sich eine Filmcrew bestehend aus de
m Regisseur Carl Denham (der mit dem irren diabolischen Blick), dem Schauspiel-Blondie Ann Darrow (die kein Geld mehr hat, um vernünftig zu schnabulieren und deshalb mitfährt) und dem blassen Drehbuchschreiber Jack Driscoll (der Blondie voll süß findet, aber den Mund nicht aufkriegt). Die wollen zusammen auf der Insel einen tollen Film drehen, um endlich wieder Kohle zu haben. Der Rest der Besatzung hingegen ist eh bald Urviechfutter oder einfach nicht der Rede wert. Ach ja, der Kapitän wird von einem Deutschen gespielt, also ruhig mal einen Moment innehalten und stolz sein.
Und los geht's !"


- Die Special Effects und die Inszenierung sind hervorragend gelungen. Nur die Szene mit dem Jongleurakt ist irgendwie daneben gegangen, da hinkt Miss Watts entweder der CGI hinterher oder eilt ihr voraus, so mein Eindruck. Hätte ich ein Double für engagiert. Den Bernhard Hoëcker zum Beispiel. Der kann das. Habe ich mal gesehen.

- Das Gewürm im Dschungel erinnerte mich spontan an die lila Viecher aus "Dungeon Master" auf dem Amiga/Atari ST. Peter Jackson ist halt doch trotz Gewichtsverlust immer noch ein putziger Geek. - Bei der anschließenden Herstellung von Wurmgehacktem habe ich drauf gewartet, dass jemand zufällig einen Rasenmäher findet und wrrooooooom... aber die Zeiten sind halt vorbei.

- Dass Kong sich von ein paar zu groß geratenen Fledermäusen aus der Fassung bringen lässt, wo er vorher gekonnt seine Kenntnisse in Sachen Dinosaurierkieferneugestaltung umgesetzt hat, fand ich ein wenig seltsam.

Schlussendlich war ich mit dem Streifen doch einigermaßen zufrieden und würde Mister Jackson lediglich für die anstehende DVD einen Tipp geben wollen: die ersten 50 Minuten wegschneiden, meine Texttafeln (gegen eine kleine Nutzungsgebühr) reinmontieren und das Ganze als "King Kong: The Essential Edition" verkaufen.

Kommentare

  1. Fand den Film an und für sich auch ziemlich gut. Nicht als ein überragendes "great-fucking-masterpiece", aber Anschauen lohnte sich schon (jedenfalls für mich, da ich zuvor noch keine King Kong-Verfilmung gesehen hatte). Lang fand ich ihn trotzdem, wobei ich die erste Stunde trotzdem nicht kürzen würde. Aber mit der Länge von Jacksons Filmen hatte ich schon bei Herr der Ringe 2 und 3 Probleme...

    Die CGI des Affen war sehr gelungen, die der Dino-Stampede durch das Tal aber eher nicht. Das sah gelegentlich doch etwas schräg aus.

    Na jo, habe bei mir noch ein paar Dinge in den Blog geschrieben. ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Hi Ishmore,

    was ich von King Kong gehalten habe, kannst Du in der aktuellen Potato, ab Mittwoch 21.12., lesen... wolltest sie Dir ja eh kaufen :). Du findest sie - ganz bescheiden - direkt neben Deinem Leserbrief mit dem Hinweis auf deinen Block... würde mich mal interessieren, was Du von meiner Titanic-Theorie hältst.

    LG
    Jörg Laux

    AntwortenLöschen
  3. Na na na, mein lieber Jörg. Einfach hierdrin Werbung für Potato zu machen. Und dann auch noch kostenlos. Da hoffe ich aber stark, dass Ihr für die Erwähnung meines Blogs eine angemessene kingkongeske Schriftgröße genommen habt.

    Quel Zufall !
    Mit den Zuschauerzahlen der Titanic habe ich mich just am Rande in meinem neusten Erguss auseinander gesetzt.

    Wo hier gerade ein Redakteur greifbar ist: ich spiele mit dem Gedanken, mich bei der SZ auf die Stellenanzeige als Redaktionsvolontär zu bewerben. Gibt's da auch eine EMail-Adresse für ? Zur Belohnung würde ich Dich namentlich als Referenz erwähnen. Da bin ich ja nicht so.

    AntwortenLöschen
  4. Diese Titanic-Theorie ist bestechend ! Der Jackson hat das natürlich zu verschleiern versucht, aber es gibt eindeutige Ansatzpunkte:

    - Es spielt eindeutig ein Schiff mit, das in schweren Seegang gerät

    - Der männliche Hauptdarsteller verschwindet am Ende in der Tiefe und nippelt ab

    - Der blasse Nebenbuhler kriegt die Sahneschnitte nicht

    - Je länger ich mir den Kong so anschaue, desto mehr erkenne ich Leonardo di Caprio wieder

    Ich bin mir sicher, in der erweiterten DVD-Fassung ist die Szene drauf, wie Kong auf der Überfahrt nach Amerika an der Reling lehnt und "I'm the king kong of the world" gröhlt. Auf äffisch halt. Wenn ich Cameron wäre, würde ich schon mal eine Klage wegen Plagiats aufsetzen lassen.

    AntwortenLöschen
  5. Also Inishmore,

    ... aber da ist doch noch mehr: King Kong ist auch ein Film, genau wie Titanic, hat überlänge und spielt Anfang des vorherigen Jahrhunderts und Buchstaben, die in King Kong vorkommen, kommen auch in Titanic vor. Außerdem, weiß man ebenso wie bei Titanic vorher, wie der Film ausgeht. Wen das nicht überzeugt, vielleicht das: Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kong auf dem Dach des Empire State Buildings genau so abschmiert wie das Jack (?Leo heißt doch Jack in Titanic?) am Ende von Titanic tut...

    AntwortenLöschen
  6. Ach so... und ich hab überhaupt keine Werbung für POTATO gemacht. Garnicht. Wegen der Volo-Sache mach ich mich mal schlau... ;)

    AntwortenLöschen
  7. Weil Ihr meinen Blog so nett erwähnt habt IN DER AKTUELLEN POTATO, sehe ich über die gar nicht gemachte Werbung hier drin mal hinweg.

    Die Gemeinsamkeiten bzgl. Überlänge, wiederverwendeter Buchstaben, Epoche und Kunstform bestätigen nur noch mehr deinen Verdacht. Wir sind da einer großen Sache auf der Spur. Ich krieg langsam Angst...

    Hinsichtlich des bekannten Endes: gab es nicht in dubiosen Nachfolgern die Erzählweise, dass Kong mittels einer per Kran durchgeführten Herzoperation wiederbelebt wurde ? Um dann durch irgendwelche C-Movies zu tapsen. Hab ich mal gelesen.

    Und es stimmt: die Schlaffigkeit in der Gestik, mit der Kong am Ende runterstürzt, ähnelt frappierend Leos Ende in Titanic.

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Drehbuchidee