5 Features, auf die ich als nörgelnder Spieleveteran locker verzichten könnte

Weil in der Überschrift schon die Begriffe "nörgelnd", "Spieleveteran" sowie "locker" gefallen sind und es vielleicht noch ein paar Leute gibt, die ihn noch nicht kennen: der Spieleveteranen-Podcast der Herrschaften Heinrich Lenhardt, Boris Schneider-Johne, Anatol Locker und Jörg Langer ist für langjährige Verfolger der Gaming-Szene bereits nach zwei Ausgaben Pflichthörspiel mit Kopfnick-Garantie. Kult dürfte er spätestens dann werden, wenn die kleinen technischen Störfeuer behoben sind. Also wahrscheinlich ab Ausgabe #3, weil die vier ja schon länger im Computergeschäft unterwegs sind als das Internet selbst und alle Macken deshalb lässig beheben können. Müssten.

Bezugslinks:
Spiele-Veteranen-Podcast #1
Spiele-Veteranen-Podcast #2


Von soviel Altersweisheit inspiriert, präsentiere ich meine persönlichen 5 Features, auf die ich in aktuellen Spielen wirklich verzichten könnte.

1) Character customizing

Man könnte es auch "Zieh dein Püppchen an, wie es dir gefällt" nennen. Dafür bin ich ehrlich gesagt zu alt. Als ich mit dem Spielen anfing, konnte man die Raumschiffe aus Space Invaders auch nicht quietschrosa anmalen, Super Mario den Schnauzbart durch Wolverine-Koteletten ersetzen oder bei International Soccer auf dem C64 die Werbebande durchgehend mit dem Mutmachspruch "Schalke wird irgendwann doch noch mal Meister, es wird halt nur sehr, sehr, sehr lange dauern" verschönern.
Und warum gab es das damals nicht?
Weil man es nicht brauchte.
Heute ist das nicht anders.

2) Level up

Gegen die Faszination des Uplevelns eines Charakters bin ich ja seit Ewigkeiten immun.
Diablo
? Mit Mühe durchgespielt. Diablo 2? Aufgehört. Es ist mir auch noch nie passiert, dass ich morgens die Welt mit einem "JAAA, ICH BIN ENDLICH EIN ORKMAGIER DER 78. STUFE UND MEINE KEULE VERSPRÜHT TÖDLICHEN ZWIEBELGERUCH+25" begrüßt habe. Dafür weiß ich noch, wie cool es war, gegen 3:00 Uhr nachts an einem Wochenende endlich verstanden zu haben, wie man bei Monkey Island 2 die richtige Anzahl der Finger des Türwächters ermittelt. Ich erlebe lieber tolle Spielmomente, als gebannt auf den Levelzähler im rechten unteren Eck zu starren.

3) Achievements

Kommen hauptsächlich bei Videospielen vor, dürften aber bald verstärkt Einkehr im PC-Bereich halten. Es geht darum, teils schwer sinnlose Aufgaben zu erledigen, nur um die entsprechende Belohnung (=Achievement) zu bekommen. Diese Belohnung besteht zumeist in einem angekreuzten Kästchen auf einer Liste. Erstaunlich, was manche Spieler dafür auf sich nehmen: 25 Gegner mit dem Brotmesser attackieren statt mit dem Maschinengewehr - check! 1000 schwer versteckte, aber leicht leuchtende Schatzkisten einsammeln - check! Durch einen Level in unter drei Minuten hetzen - check! Den Ausgang rückwärts laufend vorbei an der verdutzten Gegnermasse erreichen - check? Das letzte Achievement habe ich mir gerade ausgedacht, könnte aber nicht ausschließen, dass es nicht doch schon in einem Spiel vergeben wurde.
Ich mach da in jedem Fall nicht mit.

4) Huge gaming environment

Riesige Spielwelten sind an und für sich natürlich nichts Schlechtes. Sofern es an allen Ecken etwas zu sehen und entdecken gibt. Aber sind wir doch ehrlich: meistens latscht bzw. fährt man von Mission zu Mission. Bei mir kommt noch erschwerend hinzu, dass ich mich dank meiner gottgegebenen Orientierungslosigkeit selbst mit der ausgeklügeltsten Umgebungskarte verirre (ich vermute, dass der damalige Action-Shooter Descent meine Wegfindungsroutine im Gehirn unwiderbringlich hat implodieren lassen)

Sollte man in der Grand Theft Auto-Reihe demnächst irgendwann die Option haben, per Taxi zum nächsten Überfall kutschiert zu werden, ich würde sie glatt nutzen. Einsteigen, Song aussuchen, aus dem Fenster gucken und entspannt zur nächsten Massenschießerei ankommen. Warum eigentlich nicht?

5) Style points

Meine erste Begegnung mit dieser seltsamen Spezies hatte ich bei Metropolitan Street Racer auf der Dreamcast, quasi der Mutter der heutigen Project Gotham Racing-Reihe auf der Xbox. Das damalige Kudos-System besagte, dass man nicht nur Punkte für gewonnene Rennen bekam, sondern auch für stilvolles Fahren. Also Mätzchen wie Driften mit der Handbremse, Überholen mehrerer Gegner, Nichttouchieren der Planken oder Überschlag in der Luft samt Landung auf möglichst vielen Reifen. Am Ende durfte ich manche Strecke mit Handbremsengezerre durch die Kurve eiern, nur um genügend Punkte für den nächsten freizuschaltenden Wagen zu haben.

Da bin ich ja Purist. Rennfahren bedeutet als Erster ins Ziel zu kommen, idealerweise möglichst schnell, gerne auch unter Ausschaltung sämtlicher Konkurrenten. Der Rest ist Firlefanz und gehört auf Tony Hawks Skateboard, aber nicht in mein Cockpit.

Demnächst:
5 Features, die ich als nörgelnder Spieleveteran gerne öfter sehen würde

Kommentare

  1. Gnihihi, also bis auf das "Leveln" kann ich das nur unterschreiben.

    Ich setze dafür "NPCs mit Emotions-KI" ein. Das nervt ungeheuer, wenn die zuerst einmal binäre Seelenmassage brauchen, bevor sie in die Gänge kommen. Vor allem wenn kein "Motz net, mach!" als Option angeboten wird.

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  2. Bei GTA IV kann man sich übrigens mit dem Taxi zu den gewünschten Plätzen fahren lasen...
    Und hey: Manche Spiele waren nur toll, weil man alles Customizen konnte. Ich weiß noch, wie wir tagelang bei Mad TV (hui,Google hat mir gerade verraten, dass man das kostenlos runterladen kann) unsere eigenen Fernsehsendungen eingefplegt haben. Oder mit wie viel Mühe bei neuen Fußballmanagerspielen der gesamte Freundeskreis als Spieler eingepflegt wurden. Und so!

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  3. @quintus: leveln und leveln lassen sag ich immer. Ich würde aber auch lieber letzteres bevorzugen. NPCs antreiben und anschreien stelle ich mir reizvoll vor.

    @donvanone: Taxi fahren bei GTA IV? Ich muss der Reihe nochmal eine Chance geben...
    Bei Mad TV (hach, die Nostalgie) und Fußballmanagern geht es aber nicht um character customizing, sondern content customizing. Andererseits wäre mein Beispiel mit der Bande dann auch content customizing.
    Mist.
    Was ich meine: mir macht es keinen Spaß, meine Spielfigur selbst zu gestalten. Ich bin leidenschaftlicher Spielfigurenselbstgestaltungsmuffel.

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  4. Bei den Punkten 2 bis 4 muss ich aber doch dezent widersprechen. Leveln macht Spaß, wenn es nicht ausschließlich um's Leveln geht. Fallout 3 oder auch Freelancer sind da meiner Meinung nach gute Beispiele. WoW verdreht das Prinzip dagegen ins Irsinnige.

    Gerade an Fallout 3 und Freelancer schließt sich der Punkt "open environment" an. Noch nie war ich so überzeugt von einer Spielwelt wie in Fallout 3. Dagegen mag ich geradlinige Levels nur noch dann sehen, wenn sie wie in Max Payne in eine phänomenale Story eingebunden sind.

    Und Achievements, nun ja, die Belohnung ist natürlich immer unter aller Sau mit der Markierung irgendwo online. Gäbe es sinnvolle Belohnungen halte ich es aber an sich auch für keine schlechte Idee. Die Verbindung mit Ranglisten, wie das der Online-Service der Xbox360 macht, ist an sich ein spannendes und anspornendes Feature. Aber natürlich würde hier die Welt nicht untergehen, wenn sowas wieder abgeschafft werden würde.

    Fazit: ich finde gerade den Punkt "huge open environment" mitlerweile sehr interessant, im Zusammenhang mit dem Aufleveln relativ spannend und ich finde leichten Gefallen an Ranglisten und Achievements. :-)

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  5. @thwidra: beim Punkt Leveln hatte ich natürlich WoW im Kopf, Fallout 3 liegt immer noch ungespielt bei mir auf dem PC. Aber wir sind uns einig: Leveln des Levelns wegen braucht kein Mensch.

    Auch bei huge environment gilt: wenn es massig was zu sehen/erkunden gibt, ist es eine tolle Sache. Wenn es aber schnell langweilig wird und man nur durch die Gegend streift, um irgendwo anzukommen, wo etwas los ist, dann ist es öde.

    Achievements wäre interessant, wenn es gute Belohnungen gäbe. Ich hab nie verstanden, weshalb ich bei Tomb Raider die Umgebung nach glitzernden Dingern durchsuchen soll, nur um die Animation zu sehen, wie Fräulein Croft sich runterbückt.

    Obwohl...für die ganz von der Pubertät gebeutelten Kids könnte das ein Anreiz sein.

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