Kino-Reviews: Where The Wild Things Are / Zombieland

Fantasievolle Verfilmung eines Kinderbuchs und humoriger Zombiehorror - eine seltsame Mischung lockte mich am Wochenende ins US-Kino. Aber wenn dort nun einmal interessante Filme laufen, die erst Mitte Dezember deutsche Lichtspielhäuser beglücken, bin ich eben sofort vor Ort.

Where The Wild Things Are



Nach einem Bilderbuch von Maurice Sendak, das im englischen Original gerade mal neun Sätze Text umfasst, drehte Regisseur Spike Jonze einen abendfüllenden Spielfilm, was an für sich schon eine beachtliche Leistung ist. Zur Geschichte: der kleine Max ist ein wilder Junge; er brüllt, schreit, beißt und lässt sich von seiner alleinerziehenden Mutter kaum zähmen. Als er nach einem Streit ohne Essen ins Bett gehen soll, zieht er sich ein Wolfsfell über den Kopf, flieht von zuhause und landet nach einer Bootsfahrt auf einer Insel mit einer Handvoll Monster. Unter Anwendung seiner überbordenden Fantasie lässt er die Ungeheuer glauben, ein mächtiger Zauberer zu sein und sich zum König ausrufen.

Where The Wild Things Are ist kein Film für jedermann. Er zielt auf Kinogänger, die noch den kleinen wilden Jungen oder das kleine wilde Mädchen im Herzen tragen, sich an der Magie der Bilder oder der Macht der kindlichen Fantasie erfreuen können. Wer eine komplexe Story oder fantastische CGI-Effekte erwartet, dürfte sich hiingegen die etwas über 90 Minuten eher langweilen. So sind die Monster zwar teils motorisierte Puppen, teils Spezialeffekt, wirken in manchen Szenen aber auch einfach so, als würde ein großer Mensch in einem Fellkostüm stecken. Bedrohlich von der Tierschar wirkt eigentlich nur Carol, der im englischen Original treffenderweise von James Gandolfini (The Sopranos) gesprochen wird. Max Records als Max gelingt eine sehr beeindruckende Darstellung, was umso bedeutender ist, da er die meiste Zeit der einzige menschliche Darsteller auf der Leinwand ist und so den Film tragen muss. Eine Aufgabe, die der junge Schauspieler mit Bravour meistert.

Was Where The Wild Things neben seinem fantasievollen Setting und der bildhaften Sprache ausmacht, ist sicherlich auch die Parabel, die hinter der Begegnung von Max und den Monstern liegt. Als wilder Kerl wird er mit seinem Monster-Alter Ego konfrontiert, zähmt er die wilden Wesen und wird später von ihnen selbst gezähmt.

Ob der Film nun eher etwas für Kinder oder für Erwachsene ist, lässt sich schwer sagen. Für Kinder mag er stellenweise ein wenig zu lange sein, zudem hat er ein paar düstere Untertöne und zornige Momente. In jedem Fall aber spricht er das Kind im Erwachsenen an.

Zombieland



Ein schüchterner, phobiengeplagter Teenager mit fein ausgeklügelten Überlebensstrategien auf der Suche nach einer Freundin, deren Haar er um ihr Ohr streicheln kann. Ein kerniger, waffenfixierter Cowboy auf der Suche nach einem Biskuit mit Cremefüllung (Twinkie). Ein Geschwisterpaar auf der Suche nach einem Vergnügungspark, um sich an glücklichere Zeiten zu erinnern. Vier Menschen, die sich nur mit Ortsnamen ansprechen. Drumherum Zombies. Willkommen in Zombieland!

Wollte man den Film in einem Satz umschreiben, wäre der folgende recht passend:
Die Amerikaner bekommen endlich ihr Shaun of the Dead.
Die Zombie/Comedy-Mixtur, die bisher nur Simon Pegg und Nick Frost in dem oben erwähntem Film so genial auf den Punkt brachten, ist das stärkste Feature in Zombieland. Der Spaß steht eindeutig im Vordergrund, der Horror dient mehr als Setting und Vorlage für die aberwitzigen Situationen und Sprüche. Seien es die ins Bild gesetzen Überlebensregeln im alltäglichen Umgang mit den Untoten, die Zombie-Kills of the Week oder der herrliche Gastauftritt von Bill Murray.

Vom großartigen Intro mit Metallicas For Whom The Bell Tolls als Intromusik bis zum actionhaltigen Finale auf dem Freizeitparkgelände bietet der Film jede seiner leider nur knapp 85 Minuten Laufzeit allerbeste Unterhaltung. Jesse Eisenberg spielt seinen Charakter quasi als 1:1 Kopie eines Michael Cera (Arrested Development, Juno) und sorgt mit seiner flattrigen Unsicherheit in Verbindung mit seiner akribisch notierten Verhaltensliste für zahlreiche komische Momente, Woody Harrelson ist für die krachige Zombieterminierung und die coolen Sprüche zuständig, Emma Stone und Abigail Breslin schließlich legen unser männliches Duo ein ums andere Mal aufs Kreuz. Und zum Schluss hat der Film gar noch eine wichtige Lebensweisheit zu bieten: sei kein Zombie schon zu Lebzeiten!

Das Fazit fällt hier eindeutig aus: Zombieland landet unter Garantie auf meiner Einkaufsliste, sobald er auf DVD veröffentlicht wird. Den Besuch eines Kinos ab dem 10. Dezember kann ich bedenkenlos jedem Fan von Zombie und Comedy wärmstens ans Herz legen. Es würde mich sogar freuen, wenn es einen zweiten Teil geben würde, denn die Figuren haben genügend Spaßpotenzial für eine Fortsetzung.

Kommentare

  1. Hört sich beides an, wie für mich gemacht. Da Kino zurzeit unrealistisch wandern eben beide auf meine Blu-ray- bzw. DVD-Liste.

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  2. Zombieland wird dir zu 100% gefallen, da verwette ich ein noch unangerührtes Gedärm. Schade, dass zwischen Kino- und DVD/Blu-ray-Release immer noch ein paar Monätchen liegen.

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